Estland hat den Bau eines Zauns an seiner östlichen Grenze zu Russland angekündigt. Mit der Errichtung der Anlage solle im Jahr 2018 begonnen werden, sagte Toomas Viks, Sprecher des Innenministeriums. Ziel sei es, die Landgrenze "zu hundert Prozent und rund um die Uhr" technisch überwachen zu können, um "die Sicherheit Estlands und des Schengen-Raums zu gewährleisten".

An den Plänen arbeitet das Ministerium nach Angaben des Sprechers seit dem vergangenen Jahr. Laut Grenzschutzbehörden soll der Zaun zweieinhalb Meter hoch sein, inklusive Stacheldraht. Er soll zudem mit Kameras und Drohnen bestückt sein. Er soll sich über knapp 110 Kilometer erstrecken und damit nicht die gesamte Grenze abdecken, sondern nur etwa zwei Drittel. Marschlandgebiete sollen zaunfrei bleiben. Die Kosten werden auf 71 Millionen Euro geschätzt.

Estland und seine baltischen Nachbarländer Lettland und Litauen fürchten wegen des Vorgehens Russlands in der Ukraine um ihre Sicherheit. Die Staaten standen nahezu fünf Jahrzehnte unter sowjetischer Besatzung. Anfang der neunziger Jahre wurden die Länder unabhängig, im Jahr 2004 traten sie der Europäischen Union und der Nato bei. Das Verteidigungsbündnis stärkt derzeit wegen der Ukrainekrise seine Präsenz in Osteuropa.

Erst vor wenigen Tagen hatte die estnische Außenministerin Marina Kaljurand Russland konfrontatives Verhalten vorgeworfen. "In letzter Zeit sehen wir ein viel aggressiveres und provokanteres Russland", hatte sie der lettischen Tageszeitung Latvijas Avize gesagt. Als Beispiele nannte sie den Fall des estnischen Sicherheitsbeamten Eston Kohver und die Flüge russischer Militärflugzeuge mit abgeschalteten Transpondern über der Ostsee. 

Kohver war im September 2014 an der EU-Außengrenze festgenommen und kürzlich von einem russischen Gericht zu 15 Jahren Haft wegen Spionage verurteilt worden.