Großbritannien und Frankreich wollen ihre Polizeipräsenz in Calais noch einmal massiv aufstocken. So sollen noch mehr Flüchtlinge daran gehindert werden, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Die Londoner Regierung gab die Bildung eines gemeinsamen Einsatzzentrums in der französischen Stadt bekannt. Die Innenminister beider Länder wollen heute nach Calais reisen und erläutern, wie die Arbeit des von ranghohen Polizisten beider Länder geleiteten Zentrums künftig aussehen soll.

Tausende Flüchtlinge versuchen seit Wochen, über den Tunneleingang in Calais auf die britische Insel zu gelangen. Beim Versuch, auf Lastwagen und Züge zu springen, die unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien fahren, sind bereits zahlreiche Menschen gestorben. Ende Juli eskalierte die Situation: Jede Nacht gab es etwa 2.000 Fluchtversuche. In der Folge wurden neue Zäune um das Gelände am Eingang des Tunnels errichtet. Seitdem ist zwar die Zahl der Fluchtversuche zurückgegangen, dennoch ist etwa der Fracht- und Personenverkehr weiterhin beeinträchtigt.

Auch sind die Bedingungen, unter denen Tausende Flüchtlinge in Calais ausharren, miserabel: Die meisten von ihnen leben in selbst errichteten Zeltlagern, die von den Bewohnern "neuer Dschungel" genannt werden. Hilfsorganisationen erwarten, dass dort bis Monatsende bis zu 4.000 Menschen campieren werden.

In dem neuen britisch-französischen Kommando- und Kontrollzentrum sollen künftig nicht nur mehr Polizisten stationiert sein. Vorgesehen sind auch zusätzliche Frachtdurchsuchungen, die Installation von Überwachungskameras und Flutlichtanlagen sowie der Einsatz von Infrarottechnik. Neben der Sicherheitszusammenarbeit und dem Kampf gegen Schleuserbanden soll auch humanitäre Hilfe geleistet werden.

Vor dem Besuch der Innenminister Bernard Cazeneuve und Theresa May in Calais forderte die dortige Bürgermeisterin von beiden Ländern eine Entschädigung in Höhe von 50 Millionen Euro. "Es ist unerlässlich, von ihnen ab morgen finanzielle Entschädigungen zu fordern, um die wirtschaftlichen Nachteile abzumildern", sagte Bürgermeisterin Natacha Bouchart. 

Bürgermeisterin fordert 50 Millionen Euro Entschädigung

"Ich fordere 50 Millionen, weil es schwierig ist, den wirtschaftlichen Schaden, den wir seit 15 Jahren erleiden, zu beziffern", führte Bouchart aus. Wenn Geld für Sicherheit und humanitäre Hilfe bereitgestellt werde, müsse auch Geld für die Wirtschaft übrig sein. Falls die Regierungen in Paris und London nicht auf ihre Forderung eingingen, sähe sie sich "in der Pflicht, anzugreifen, Klage einzureichen gegen die Regierung, gegen die französisch-britischen Staatsbehörden, um Entschädigungsurteile herbeizuführen", drohte die Kommunalpolitikerin.

Bereits Anfang August gab es zahlreiche Fluchtversuche am Eurotunnel, wie dieses Video zeigt: