Bollwerk gegen Flüchtlinge: ein Teil des neuen, stacheldrahtbewehrten Grenzzauns an der ungarischen Grenze zu Serbien © Matt Cardy/Getty Images

Osteuropa hat ganz offensichtlich ein Problem mit Fremden. Das zeigte sich erst dieser Tage wieder, als die slowakische Regierung ankündigte, keine muslimischen Flüchtlinge aufzunehmen. Ivan Metik, Sprecher des slowakischen Innenministeriums, begründete das scheinheilig damit, dass es im ganzen Land keine Moscheen gebe. "Wie können sie sich bei uns integrieren, wenn sie sich hier nicht gut fühlen?", sagte er. Von Diskriminierung wollte er nichts wissen.

Dennoch kam sofort scharfe Kritik von der EU-Kommission und aus einigen westeuropäischen Ländern. Der Generalsekretär des Europäischen Rates, Thorbjørn Jagland, merkte an, dass "Europa gerade in Zeiten dieser Flüchtlingskrise ohne Beispiel Solidarität zeigen muss".

Nach ein paar Stunden änderte die slowakische Regierung daraufhin ihre Meinung. In einer Mitteilung hieß es, auch Migranten aus muslimischen Ländern dürften in der Slowakei Asyl beantragen.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Slowakei von einen Tag auf den anderen offener gegenüber Flüchtlingen wird. Im ganzen Land gibt es tatsächlich keine einzige Moschee. Dafür haben schon die Behörden der Hauptstadt Bratislava gesorgt, die der islamischen Gemeinde seit vielen Jahren den Bau von Gotteshäusern verweigern. Die formelle Begründung: Um die islamische Gemeinde als Glaubensgemeinschaft anzuerkennen, verlangt der Staat mindestens 20.000 Mitglieder. In der Slowakei lebt aber nur etwas mehr als die Hälfte, kaum sichtbar unter den fünf Millionen Einwohnern. 

Ähnlich sieht die Lage in anderen osteuropäischen Ländern aus. Auch Polen, Tschechien, Ungarn und Estland haben, anders als die großen Länder Westeuropas, einen sehr geringen Anteil muslimischer Einwohner und wehren sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus islamischen Ländern. Alle regierenden Politiker, egal ob Konservative oder Sozialdemokraten, lehnen deshalb auch das Quotensystem ab, das die EU-Kommission durchsetzen will, um die Flüchtlinge auf die EU-Staaten zu verteilen.

Die Abneigung, Flüchtlinge aufzunehmen, hat sich überall in Osteuropa verstärkt. Das Motiv dafür ist ein anderes als noch vor ein paar Jahren. War es früher die Überzeugung der Polen oder Slowaken, ihre Länder könnten aus finanziellen Gründen die Belastung nicht tragen, so fürchten sie heute um ihre Sicherheit.

Laut einer jüngsten Umfrage glauben 63 Prozent der Slowaken, dass die Flüchtlinge eine Gefahr für ihr Land darstellen. Verstärkt wurde diese Angst durch Äußerungen führender Politiker des Landes. So sagte der slowakische Premierminister Robert Rico, man könne sich nicht völlig sicher sein, ob unter den Flüchtlingen nicht auch Terroristen ins Land kämen.

Ähnliche Töne schlug Tschechiens Präsident Miloš Zeman an. Anfang August sagte er in einem Interview: "Keiner hat hier Flüchtlinge eingeladen." Und er fügte hinzu, sein Land könne eher ukrainische Flüchtlinge aufnehmen, denn sie "integrieren sich besser in die Gesellschaft als die Muslime". Der Anteil der Tschechen, die glauben, dass mit den Flüchtlingen ein Sicherheitsrisiko verbunden ist, ist genauso groß wie in der Slowakei. 72 Prozent der Tschechen haben mehr Angst von den Terroristen des "Islamischen Staats" als von den Folgen des Konflikts in der nah liegenden Ukraine.