In Sirte, der Heimatstadt des 2011 gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, toben nach einem Medienbericht heftige Kämpfe zwischen lokalen Stammesangehörigen und Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Innerhalb von drei Tagen seien dabei mindestens 106 Menschen getötet worden, berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf offizielle Kreise. Die meisten Opfer gehörten dem Ferschan-Stamm an, der sich geweigert habe, sich dem IS zu unterwerfen.   

Am Morgen steckten Dschihadisten ein Krankenhaus in Brand. Es könnte die Reaktion auf ein abgelaufenes Ultimatum vom Vortag sein. Nach Informationen der Zeitung Libya Herald hatte der IS auch damit gedroht, Gas einzusetzen, wenn die Bewohner von Sirte ihre Attacken nicht bis Donnerstagabend einstellen. Die Tage zuvor wurden ganze Stadtteile bombardiert.

Der Chef der international anerkannten libyschen Regierung in Tobruk, Abdullah al-Thinni, warf dem IS in einer in der Nacht veröffentlichten Erklärung vor, einen Völkermord zu verüben. Er rief die Vereinten Nationen auf, das 2011 gegen Libyen verhängte Waffenembargo aufzuheben. 

Dschihadisten nutzen Machtvakuum

Der IS hatte im Februar weite Teile von Sirte, etwa 450 Kilometer östlich von Tripolis, erobert und die Stadt im Mai komplett unter seine Kontrolle gebracht. Die Dschihadisten nutzten das Machtvakuum in dem ölreichen Land aus, wo sich zwei Regierungen und zahlreiche Milizen gegenseitig bekämpfen.

In Libyen herrschen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Al-Gaddafi im Herbst 2011 Chaos und Gewalt. Die Städte werden von rivalisierenden Milizen kontrolliert, während zwei Parlamente und Regierungen die Macht für sich beanspruchen. Im östlichen Tobruk sitzen das international anerkannte Parlament und die Regierung Al-Thani, in Tripolis das Gegenparlament und eine islamistische Konkurrenz-Regierung. In der Stadt Bengasi im Osten Libyens bekämpfen sich täglich Truppen und Milizen der verfeindeten Lager.