US-Präsident Barack Obama hat in seiner Rede zum Atomabkommen mit dem Iran vor einer folgenschweren außenpolitischen Fehlentscheidung des Parlaments gewarnt. Sollte der amerikanische Kongress das historische Abkommen blockieren, könnte das so folgenschwer sein wie die Invasion des Iraks im Jahre 2003, sagte Obama an der American University in Washington. Die Ablehnung des Abkommens würde nur zu einer Option führen: einem weiteren Krieg im Nahen Osten. Die Vorstellung, es lasse sich ein besseres Ergebnis durch Nachverhandlungen erzielen, sei eine Illusion, sagte Obama.

"Viele der gleichen Leute, die für den Krieg im Irak argumentiert haben, treten nun gegen den Atomdeal mit dem Iran ein", sagte der Präsident. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Einmarsch in den Irak müssten die USA noch immer mit den Konsequenzen leben, darunter der Aufstieg der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). "Mehr denn je müssen wir in unserer Außenpolitik klar denken."   

Aus den Kriegen der vergangenen Dekade müsse man gelernt haben, so Obama. Krieg bringe nur Leid, unvorhergesehene Kosten und unabwägbare Konsequenzen. Stattdessen müssten alle diplomatischen Mittel genutzt werden.

Das mit Teheran ausgehandelte Atomabkommen löse zwar nicht alle Probleme. Es garantiere keine amerikanisch-iranische Annäherung. Das Abkommen sorge aber für mehr Sicherheit, verhindere Krieg und halte die Islamische Republik davon ab, Atomwaffen zu bauen. Die Einigung schneide dem Iran die Wege zum Bau einer Atombombe ab. "Das ist das stärkste Abkommen über die Nichtverbreitung von Atomwaffen, das je verhandelt wurde", sagte er.    

Im Hinblick auf Kritiker des Deals sagte Obama, ein Iran mit Atomwaffen sei weit gefährlicher als ein Iran, der vom Ende der Sanktionen profitieren würde. "Sollte Iran sich innerhalb des nächsten Jahrzehnts nicht an das Abkommen halten, können die Sanktionen wieder in Kraft treten."

Vorbild sind Kennedys Sowjetunion-Gespräche 1963

Obama nahm sich bei der Rede den früheren Präsidenten John F. Kennedy zum Vorbild, der 1963 am selben Ort für Gespräche mit der Sowjetunion über ein Ende von Atomwaffentests geworben hatte.

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland hatten sich Mitte Juli mit dem Iran auf ein Atomabkommen geeinigt. Die iranische Regierung verpflichtet sich darin zu tiefgreifenden Einschnitten bei der Urananreicherung und akzeptiert internationale Kontrollen. Im Gegenzug sollen die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden.

Im Inland schlägt Obama vor allem die Ablehnung der Republikaner entgegen, aber auch einige seiner Demokraten sehen das Abkommen kritisch. Der Kongress hat bei den von den USA verhängten Sanktionen ein Mitspracherecht und könnte sich gegen die Aufhebung wehren. Bis Mitte September müssen Repräsentantenhaus und Senat das Abkommen überprüfen. Für den Fall einer Blockade drohte Obama bereits mit seinem Veto. Die Republikaner kontrollieren beide Kongresskammern. Allerdings verfügen sie nicht über die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um ein mögliches Veto des Präsidenten zu überstimmen.