Ungeachtet internationaler Proteste schickt die russische Justiz den ukrainischen Regisseur Oleh Senzow 20 Jahre ins Straflager. Ein Gericht in der südrussischen Stadt Rostow am Don sprach den 39-Jährigen wegen "Bildung einer terroristischen Vereinigung" und Waffenschmuggels schuldig. Er habe auf der Halbinsel Krim Terroranschläge verübt. Gegen Senzows Mitangeklagten, den ukrainischen Aktivisten Alexander Koltschenko, verhängte das Gericht eine zehnjährige Freiheitsstrafe. Am Ende der Urteilsverkündung stimmten beide die ukrainische Nationalhymne an.

Den beiden Männern wurde in dem international umstrittenen Prozess von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im Mai 2014 das Büro einer prorussischen Partei auf der von Russland annektierten Krim in Brand gesetzt und geplant zu haben, eine Lenin-Statue in Simferopol in die Luft zu sprengen.

Senzow hatte Russland vorgeworfen, es habe die völkerrechtlich zur Ukraine gehörende Krim okkupiert. Der auf der Krim geborene Senzow wollte, dass seine Heimat ukrainisch bleibt.  

Unter der Aufsicht von Soldaten aus Russland ohne Dienstkennzeichen hatte 2014 auf der Krim eine Volksabstimmung über den Anschluss an Russland stattgefunden, das auf der Halbinsel einen wichtigen Militärstützpunkt hatte sowie Sonderrechte. Im Ergebnis erklärte die autonome Region Krim ihren Beitritt zur russischen Föderation. 

Senzow wurde nach der Annexion im Mai vergangenen Jahres verhaftet und später nach Moskau gebracht. Er plädierte auf nicht schuldig und betonte, ein russisches Gericht sei für ihn nicht zuständig.

Kritiker des Prozesses sehen in dem Verfahren gegen Senzow einen Racheakt für dessen proukrainische Haltung. Im Westen und unter Menschenrechtsorganisationen gilt das Verfahren als Schauprozess mit gefälschten Vorwürfen und Beweisen. Amnesty International sprach von einer "himmelschreienden Ungerechtigkeit" und einem "offenkundig unfairen Verfahren, das von glaubwürdigen Foltervorwürfen überschattet wurde".

Das ukrainische Außenministerium kritisierte das Urteil als Willkür und verlangte die sofortige Freilassung der beiden Männer. Präsident Petro Poroschenko schrieb bei Twitter: "Halte durch Oleh. Es kommt die Zeit zu der diejenigen, die diese Gerichtsfarce gegen Dich organisiert haben, selbst auf der Anklagebank sitzen werden".

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), zeigte sich "erschüttert über das hohe Strafmaß". Er forderte die russischen Behörden auf, die Vorwürfe von Folter und Misshandlungen während des Prozesses zu untersuchen und aufzuklären. Deutsche Filmschaffende wie Daniel Brühl, Iris Berben, Michael Ballhaus, Fatih Akin und Veronica Ferres hatten sich in einem offenen Brief unter anderem an Präsident Wladimir Putin für die Freilassung Senzows eingesetzt.