Lawrence Lessig strebt an die Macht, um sie gleich wieder abzugeben: Nur ein großes Reformpaket will der mögliche Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Kongress durchbringen, dann soll sein Vize im Oval Office übernehmen. Um aber überhaupt in den parteiinternen Wahlkampf der Demokraten einsteigen zu können, will er mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne bis zum Labor Day am 7. September das nötige Geld zusammen bekommen. Eine Million Dollar benötige er an Startkapital, sagt Lessig.

Mit Lessigs Ankündigung vom Dienstag ist das Rennen um eine Kandidatur bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 um einen ungewöhnlichen Kandidaten reicher. Die Republikaner haben Donald Trump, die Demokraten könnten Lessig kriegen. Auch wenn die beiden politisch kaum unterschiedlicher sein könnten, ist ein Vergleich der beiden nicht ganz abwegig. Denn ähnlich wie Trump vertritt Lessig radikale Ansichten und äußert sie in einer Form, wie es Mitbewerber nie wagen würden.

Lessig gilt als Kritiker des Urheberrechts und Verfechter der Copyright-Alternative Creative Commons. Als Liberaler im europäischen Sinne hat er sich national einen Namen und einige Freunde gemacht, vor allem aber auch viele Feinde. Seit Jahren fordert er unablässig eine grundlegende Reform des politischen Systems. Insbesondere die Wahlkampffinanzierung, die in den allermeisten Fällen von einflussreichen Großspendern abhängt, sieht Lessig als entscheidenden Faktor dafür, dass viele zentrale Probleme in den USA nicht gelöst werden können. Seit 2014 betreibt Lessig deswegen eine Lobbygruppe, die alternative Wege der Wahlkampffinanzierung unterstützt und offensichtliche Eingriffe von Spendern an den Pranger stellt. Die Finanzierung – zehn Millionen Dollar – stammt in diesem Fall ebenfalls aus einer Crowdfunding-Kampagne.    

"Der Kongress ist vom Geld korrumpiert"

"Die Bürger verdienen eine Politik, die sie wirklich vertritt und die funktioniert, und nicht eine, die vom Geld korrumpiert ist", sagte Lessig ZEIT ONLINE. Der Kongress repräsentiere allenfalls seine Spender, nicht aber das Volk. Ständig würden Versprechungen gemacht, die von der Politik schon aufgrund der kaputten Eigenschaften des Systems nicht eingehalten werden könnten. Das müsse sich endlich ändern.

Dazu will Lessig als Präsident ein Reformpaket – den Citizen Equality Act of 2017 – durchbringen. Es soll die Bürgerrechte und die Gleichheit der Bürger stärken. Ein wichtiger Teil des Pakets ist die Reform der Wahlkampffinanzierung, die ein Verbot von Großspenden im Wahlkampf vorsieht. Jeder Bürger soll stattdessen vor Wahlen einen Gutschein erhalten, mit dem der favorisierte Kandidat unterstützt werden kann. "Eine solche Regelung würde den Zugriff der Lobbyisten auf die Politik deutlich verringern", heißt es auf der Kampagnenseite.

Ein weiteres prominentes Thema in Lessigs Programm ist die Registrierung der Bürger zur Wahl. Um die Wahlbeteiligung zu erhöhen und auch bildungsfernere Schichten an die Urne zu bringen, soll der Prozess automatisiert und vereinfacht werden. So soll es etwa noch am Wahltag vor Ort möglich sein, sich zur Stimmabgabe zu registrieren. Zudem sollen Wahltermine künftig nur noch auf Wochenenden fallen, um die Partizipation zu stärken. Und auch die Zuschnitte der Wahlbezirke – ein in den USA lange und viel diskutiertes Thema – will Lessig fairer und transparenter gestalten. Es müsse wieder gelten, dass die Stimme eines jeden Bürgers bei einer Wahl das gleiche Gewicht habe, sagt Lessig.