Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat in einem Interview mit der französischen Zeitung Le monde Wolfgang Schäuble scharf kritisiert. Schäubles Ziel sei es, mit seiner Sparpolitik den französischen Wohlfahrtsstaat anzugreifen. Deshalb baue Schäuble den Grexit als Drohkulisse auf, sagte Varoufakis.

Wörtlich heißt es in dem Interview: "Der französische Wohlfahrtsstaat, seine Arbeitsrechte, seine staatlichen Unternehmen sind die wahre Zielscheibe des deutschen Finanzministers." Schäuble betrachte Griechenland als Labor der Sparpolitik. "Die Angst vor dem Grexit soll den französischen Widerstand brechen, nicht mehr und nicht weniger", sagte Varoufakis.   

Varoufakis wiederholte in dem Interview auch seine Kritik an dem dritten Hilfspaket, das Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den vier Institutionen ausgehandelt hatte. Ein Problem sei, dass die Finanzminister nicht direkt miteinander verhandelten. "Das ist meine Lektion der vergangenen Monate: Die Eurozone ist die mächtigste Wirtschaftszone der Welt, aber niemand führt sie – oder zumindest niemand, der gewählt wurde", sagte er. "Die Eurozone hat ein Monster geschaffen, die Eurogruppe, in der die Finanzminister nicht wirklich miteinander verhandeln."    

Yanis Varoufakis war von Januar bis Juli 2015 griechischer Finanzminister. Bereits während seiner Amtszeit machte er durch zahlreiche Interviews von sich reden. Nach seiner Amtszeit rechnete er in mehreren Interviews und Meinungsbeiträgen insbesondere mit Wolfgang Schäuble ab.