Die Präsidentengarde hat Medienberichten zufolge eine Kabinettssitzung in der Hauptstadt Ouagadougou gestürmt und die Übergangsregierung festgesetzt. Unklar blieb zunächst, ob es sich um einen Militärputsch handelte. Wie der Präsident des Übergangsparlaments, Moumina Cheriff Sy, mitteilte, sind unter den Geiseln der Staatschef Michel Kafando, der Regierungschef Yacouba Isaac Zida und mehrere Minister. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ihre sofortige Freilassung.

Die Präsidentengarde gilt immer noch als loyal gegenüber dem früheren Langzeitpräsidenten Blaise Compaoré. Dieser war im vergangenen Jahr nach 27 Jahren an der Macht durch Massenproteste gestürzt worden. Für den 11. Oktober sind Neuwahlen in Burkina Faso geplant, um die Rückkehr zur Demokratie zu festigen. Das Land gehört einem UN-Entwicklungsindex zufolge zu den zehn ärmsten Ländern weltweit.

Unklar blieb zunächst, welches Ziel die Präsidentengarde verfolgt. Der Präsident des Übergangsparlaments, Sy, erklärte: "Ich rufe alle Patrioten auf, ihr Heimatland zu verteidigen." Alle Bürger müssten für die Freilassung der Regierung auf die Straße gehen. Der Gewerkschaftsbund CGT-B rief zu einem Generalstreik auf. Sicherheitskräfte feuerten vor dem Präsidentenpalast Warnschüsse ab, um eine Demonstration zur Freilassung der Übergangsregierung zu unterbinden. Der unabhängige Radiosender Omega FM, der zunächst über die Vorfälle berichtet hatte, wurde von den Soldaten geschlossen. Die Motorräder und Autos der Journalisten wurden einem Medienbericht zufolge in Brand gesteckt.

Ein UN-Sprecher sagte in New York, die Vereinten Nationen stünden fest hinter der Übergangsregierung. "Dieser Vorfall ist eine schwere Verletzung der Verfassung und der Übergangsstatuten von Burkina Faso." Auch das Außenministerium Frankreichs, der früheren Kolonialmacht, äußerte Besorgnis. Die Regierung in Paris "verurteilt jegliche Gewaltanwendung und fordert die unverzügliche Freilassung aller festgehaltenen Personen", hieß es.

Compaoré war nach seinem Sturz in die benachbarte Elfenbeinküste geflohen. Einige Kandidaten, die als loyal zu ihm gelten, wurden vom Verfassungsrat nicht zur Wahl im Oktober zugelassen. Ein dauerhafter Machtverlust für Compaoré und seine Getreuen stand nach Ansicht vieler Beobachter daher kurz bevor.

Präsident Kafando hatte seine Macht erst unlängst konsolidiert und selbst auch die Leitung des Verteidigungs- und Innenressorts übernommen. Nach Compaorés Flucht hatte vergangenes Jahr zunächst Ministerpräsident Zida, der frühere Vizechef der Präsidentengarde, die Macht an sich gerissen. Die Afrikanische Union drohte jedoch mit Sanktionen und erwirkte einen Übergang zu einer zivil geführten Regierung.