In Kopenhagen demonstrieren Dänen gegen die verschärften Asylgesetze der konservativen Regierung. © Emil Hougaard/Scanpix/Reuters

ZEIT ONLINE: Was sieht die Asyl-Reform vor, die heute in Dänemark in Kraft tritt?

Thomas Gammeltoft-Hansen: Das Gesetz ist ziemlich einfach: Ab jetzt bekommen Asylsuchende nur noch die Hälfte der Sozialhilfe, die in der Vergangenheit ausgezahlt wurde. Die Regelung gilt nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle Ausländer, die nach Dänemark kommen. Denn die Genfer Flüchtlingskonvention verbietet die gezielte Diskriminierung von Asylsuchenden.

Im Kern geht es jedoch darum, dass Asylsuchende, die Dänemark zum Ziel haben, künftig abgeschreckt werden und so gezwungen sind, andere Länder aufzusuchen. Natürlich ist die Maßnahme innenpolitisch umstritten. Denn es gibt keinen empirischen Beweis dafür, dass Flüchtlinge künftig aufgrund dieser Maßnahme wirklich einen Bogen um Dänemark machen werden. Kritiker des Gesetzes befürchten viel eher, dass zwar weiterhin Flüchtlinge nach Dänemark kommen werden, doch dort gleich in die bittere Armut abrutschen. 

ZEIT ONLINE: Selbst wenn Dänemark die bisherige Sozialhilfe von 1.450 Euro um die Hälfte kürzt, bekommen Flüchtlinge in Ihrem Land noch weit mehr Geld als in den meisten anderen EU-Ländern. Kann das Gesetz wirklich als Abschreckung dienen?

Gammeltoft-Hansen: Die Lebenshaltungskosten in Dänemark sind sehr hoch. Wenn die Regierung jetzt nur noch die Hälfte der bisherigen Unterstützung zahlt, können Asylsuchende in Dänemark nicht mehr überleben. In absoluten Zahlen mag der Betrag immer noch üppig wirken, doch von den Wohnkosten bis zu den Kosten für Lebensmittel liegt Dänemark eben auch weit über dem europäischen Durchschnitt.

Allerdings belegen aktuelle Umfragen unter Flüchtlingen, dass Geld gar nicht der wichtigste Anreiz bei der Wahl des Fluchtziels ist. Denn oft wissen sie im Voraus gar nicht, wie hoch die Sozialhilfe in den einzelnen 27 EU-Ländern wirklich ist. Viel eher kommt es deshalb auf Faktoren wie das familiäre Netzwerk vor Ort oder die Affinität zur Sprache eines Landes an. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Anreiz. Mit Blick auf das neue Asyl-Gesetz in Dänemark stellt sich deshalb die Frage, ob es überhaupt Auswirkungen haben wird.

Am ehesten schadet die Regelung dem Integrationspotenzial vieler Flüchtlinge. Denn natürlich bedeutet weniger Geld auch weniger Chancen darauf, die Landessprache zu lernen und sich selbst in die dänische Gesellschaft einzubringen. Wenn sich jemand immer nur darüber sorgen muss, wie er das nächste Abendessen oder die Miete bezahlen soll, kann ihn das an der Integration nur hindern.