Der amerikanische Präsident Barack Obama hat Wort gehalten: Die US-Truppen aus dem Irak hat er im Jahr 2012 abgezogen. Und auch in Afghanistan steht nur noch ein Bruchteil der einst mehr als 100.000 amerikanischen Soldaten. Überhaupt hat der Präsident die Truppenstärke des US-Militärs während seiner Amtszeit stetig reduziert. Doch die positive Bilanz trügt: Der Friedensnobelpreisträger Obama hat die aggressive Supermacht nicht gezähmt – im Gegenteil.

Erst Mitte August kündigte Verteidigungsminister Ashton Carter an, die Zahl der militärischen Drohnenflüge bis zum Jahr 2019 um 50 Prozent zu erhöhen. Und Carter ging noch weiter: Einen Teil der Drohnenflüge sollen künftig externe Militärdienstleister übernehmen. Private Firmen wie der Drohnenhersteller General Atomics führen also in den nächsten Jahren Hunderte Aufklärungsflüge durch. Die Regierung lagert so nicht nur hochgeheime Militäroperationen an die freie Wirtschaft aus. Sie beraubt das Parlament auch seiner Kontrollfunktion. 

Die US-Regierung nutzt Aufträge an private Dienstleister, um die offiziellen Truppenzahlen gering zu halten: Externe Analysten, Techniker und Sicherheitskräfte gelten nicht als Soldaten. Deshalb konnte die Regierung dem Kongress während der vergangenen Jahre immer kleinere Truppenkontingente zur Abstimmung vorlegen: Heute sind nur noch 10.000 statt einst mehr als 100.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Doch die Zahlen trügen.

Einen echten Abzug der Amerikaner aus Afghanistan gab es nie – die US-Regierung tauschte ihre Soldaten nur gegen die Angestellten der Sicherheitsfirmen aus. Während die Truppenzahl sank, stieg gleichzeitig die Zahl der Söldner in Afghanistan kontinuierlich an: Waren im Jahr 2007 noch 30.000 Dienstleister am Hindukusch stationiert, sind es heute nach Informationen des US-Kongresses mehr als 100.000.

Mit der Ankündigung, künftig weitere Drohnenflüge auszulagern, begegnet das Pentagon dem Personalmangel in den eigenen Reihen: In den vergangenen Monaten warfen zahlreiche Drohnenpiloten des US-Militärs aufgrund der Belastung der vielen Flüge ihren Job hin. Derzeit sind nur etwa 1.000 amerikanische Soldaten in der Lage, die Drohnen-Modelle Predator und Reaper zu steuern – der Bedarf an Piloten lag jedoch schon vor der Ankündigung Carters bei weiteren 200 Piloten. Luftwaffe und Armee kommen mit der Ausbildung neuer Rekruten nicht hinterher.