Martin Schulz während der Debatte zur Lage der EU im Europäischen Parlament © Patrick Seeger/dpa

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), hat sich für klare legale Einwanderungsmöglichkeiten in der Europäischen Union ausgesprochen. "Wenn wir legale Wege in die EU öffnen, steuern wir die Einwanderung, die Europa dringend braucht", sagte Schulz der Passauer Neuen Presse. Das würde nicht bedeuten, dass jeder kommen könne."Aber es gibt die Chance, nach klaren Kriterien einzureisen."

Die von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgeschlagene verbindliche Umverteilung von 160.000 Flüchtlingen auf die Mitgliedstaaten begrüßte Schulz. Nach den für den 14. September geplanten Beratungen der EU-Innenminister zu den Plänen müsse jeder Staat öffentlich Farbe bekennen.

Trotz aller Kritik an den Plänen zeigte Schulz sich zuversichtlich, dass die EU-Länder in der Sache eine gemeinsame Position finden werden. "Bei der Verteilung der Flüchtlinge soll die Größe der Bevölkerung, die wirtschaftliche Stärke eines Landes und die Zahl der bereits aufgenommenen Flüchtlinge berücksichtigt werden", sagte der Parlamentspräsident. Das sei ein objektives und gutes Verfahren.

"Solidarität kriegt nicht, wer provoziert"

Die Flüchtlingskrise ist für Schulz Ausdruck davon, was "zu wenig Europa" bedeuten kann. "Was manche Mitgliedstaaten da veranstalten, ist das Europa der Egoisten", sagte Schulz der Zeitung. Nötig seien rasche, gemeinsame Strategien und Lösungen. Nur im Verbund sei das Problem zu lösen.

Ungarns Regierungschef Viktor Orbán, der die Flüchtlingskrise als "deutsches Problem" bezeichnet hat, ist laut Schulz mit dieser Position unter den europäischen Staats- und Regierungschefs isoliert. "Richtig ist, dass die Ungarn europäische Hilfe brauchen, weil sie als Transferland der Balkan-Route besondere Herausforderungen stemmen müssen", sagte Schulz. Europäische Solidarität bekomme man aber nicht, wenn man andere provoziere.