Flüchtlinge am Montag auf der Autobahn bei Röszke © Matt Cardy/Getty Images

In einem Flüchtlingslager im ungarischen Ort Röszke nahe der Grenze zu Serbien haben nach Angaben des Helfernetzwerkes Migration Aid etwa 500 Flüchtlinge bei Kälte die Nacht unter freiem Himmel verbracht. Bei einer Temperatur von etwa 6 Grad schliefen demnach auch 10 bis 15 Babys auf freiem Feld. Die Menschen hatten sich geweigert, in das dort eingerichtete Aufnahmelager zu gehen, weil die ungarische Ausländerbehörde sie dort offiziell als asylsuchend registriert hätte. Viele Flüchtlinge wollen aber weiter nach Deutschland. 

Erneut machten sich aus Ungarn Hunderte Flüchtlinge zu Fuß Richtung Westeuropa auf. Die etwa 1.000 Menschen liefen bei Röszke an der zahlenmäßig deutlich unterlegenen Polizei vorbei. Viele Flüchtlinge sind unzufrieden damit, dass sie stundenlang im Freien auf Busse warten mussten, die sie zum Erstaufnahmelager bringen sollten. Die Polizei setzte Tränengas ein, nachdem einige Flüchtlinge mit Steinen geworfen hatten.

An der Bahnlinie von Serbien in den Grenzort Röszke gibt es eines der Schlupflöcher nach Ungarn. Die Grenze zu Serbien ist seit Kurzem mit Stacheldraht abgesperrt.

Die Flüchtlinge liefen über Felder und Wiesen bis zur Autobahn in Richtung Budapest. Die Polizei sperrte daraufhin die M5 und begleitete die etwa 200 Menschen auf dem Seitenstreifen. Ähnliche Szenen hatte es bereits am vergangenen Freitag gegeben, als Hunderte vom Budapester Ostbahnhof zu Fuß Richtung Österreich aufgebrochen waren.


Später willigten die Flüchtlinge ein, sich in Bussen zu der Erstaufnahmeeinrichtung zurückbringen zu lassen. Nachdem zwischenzeitlich Hunderte Menschen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Röszke geflohen waren, schlossen die ungarischen Behörden fast eine Stunde lang den Hauptgrenzübergang zu Serbien.

In Röszke kommen die meisten Flüchtlinge an, die über die Balkanroute in die Europäische Union gelangen. Seit einem Monat treffen dort täglich Tausende Menschen ein. Seit Jahresbeginn reisten 167.000 Flüchtlinge in Ungarn ein, allein im August waren es 50.000.

Weiter südlich gingen mazedonische Polizisten an der Grenze zu Griechenland mit Knüppeln gegen Flüchtlinge vor. Am Montag überquerten mehr als 2.000 Flüchtlinge von Griechenland aus die Grenze nach Mazedonien. Tausende weitere warten auf der griechischen Seite. Vonseiten des mazedonischen Innenministeriums hieß es, die Polizei müsse einschreiten, um eine Eskalation der Lage zu verhindern.

Die Ankömmlinge, die vor den Konflikten im Nahen Osten und in Afrika flohen, versuchten so schnell wie möglich zu Bussen und Zügen in Richtung Norden nach Serbien zu gelangen.

Die Flüchtlingsversorgung halten Beobachter für unzureichend. Zudem fährt die rechtskonservative Regierung eine restriktive Linie gegenüber Flüchtlingen. Das ungarische Parlament beschloss erst am Freitag, schärfer gegen illegal einreisende Migranten vorzugehen. Ab Dienstag kommender Woche gilt der illegale Grenzübertritt als Straftat, der mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Inmitten der Krise trat der ungarische Verteidigungsminister Csaba Hende zurück. Hende war für den Bau des Zauns entlang der serbischen Grenze verantwortlich. Gründe wurden nicht genannt. Den Angaben zufolge soll Hende, der seit 2010 im Amt war, vom derzeitigen Sport-Staatssekretär Simicskó István abgelöst werden.

Das Video zeigt, wie die Reise für die Flüchtlinge weitergehen kann, die einen Platz im Bus ergattern. Kommen sie nach Deutschland landen sie meist in München.