Ungarns Regierungschef Viktor Orbán hat Deutschland und Österreich aufgefordert, ihre Grenzen zu schließen. Die beiden Länder sollten zudem "klar sagen", dass keine weiteren Flüchtlinge mehr aufgenommen würden, sagte Orbán nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Sonntagabend dem Fernsehsender ORF. Wenn die Regierungen in Berlin und Wien dies versäumten, würden am Ende "mehrere Millionen" Menschen nach Europa kommen, sagte der ungarische Regierungschef.

Sein Land habe ausreichend "finanzielle und polizeiliche Kraft", allen Schutzsuchenden Verpflegung und Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Doch würden alle nach Deutschland wollen. "Das Problem liegt nicht auf unserer Seite", sagte Orbán. Die ungarische Regierung hatte die Bundesregierung für ihre Flüchtlingspolitik in den vergangenen Tagen scharf kritisiert. Mit der Aussetzung des sogenannten Dublin-Verfahrens für Syrer würde Flüchtlingen die Reise nach Europa schmackhaft gemacht werden.

Gemäß dem Dublin-Verfahren müssen Flüchtlinge Asylanträge in der EU grundsätzlich in dem Land stellen, in dem sie zuerst europäischen Boden betreten. Die deutschen Behörden schicken Syrer aber nun nicht mehr nach Ungarn zurück, sondern lassen sie in Deutschland Asylanträge stellen.

Tausende weitere Flüchtlinge erwartet

Ungarn sieht sich derzeit mit einem beispiellosen Ansturm von Flüchtlingen konfrontiert, die aus Griechenland durch den Westbalkan reisen und dann von Serbien aus über die Grenze wollen. Von Ungarn aus versuchen die Flüchtlinge, weiter nach Deutschland und in andere westeuropäische Staaten zu gelangen. An der Grenze zu Serbien hat Orbán inzwischen einen Stacheldrahtzaun errichten lassen.

Am Freitagabend hatte Ungarn entschieden, die Tausenden seit Tagen am Bahnhof von Budapest festsitzenden Flüchtlinge mit Bussen an die österreichische Grenze zu bringen. Österreich und Deutschland erklärten sich daraufhin in der Nacht zum Samstag bereit, die Flüchtlinge einreisen zu lassen.

Über das Wochenende trafen rund 20.000 Flüchtlinge in Deutschland ein. Bayern rechnet auch für Montag mit der Ankunft mehrerer Tausend Flüchtlinge. Womöglich könnten "11.000 oder mehr" Menschen in München eintreffen, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand. "Die Lage ist sehr angespannt."