John Kerry (links) und Frank-Walter Steinmeier bei einem Treffen der Außenminister der OSZE-Staaten in Basel 2014 © Arnd Wiegmann/Reuters

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Annäherungen im schwer belasteten Verhältnis zwischen den USA und Russland gelobt. "In die Syrien-Krise kommt wieder Bewegung, endlich. Ich begrüße, dass Washington und Moskau nicht übereinander, sondern wieder miteinander über die Lage in Syrien reden und sich dabei auch über militärische Fragen austauschen wollen", sagte Steinmeier der Bild am Sonntag. Bei seinem Treffen mit US-Außenminister John Kerry soll es um Lösungen im Syrien-Konflikt und in der Flüchtlingskrise gehen. Im Anschluss ist eine Pressekonferenz geplant.

Kerry deutete an, sein Land erwäge im Kampf gegen die IS-Miliz eine militärischen Kooperation mit Russland. Wie die Bild am Sonntag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtet, trafen sich in der vergangenen Woche führende Delegationen der CIA und des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR in Moskau. Ziel der geheimen Gespräche sei es demnach, die gemeinsame militärische Zusammenarbeit im Syrien-Krieg abzustimmen. Außerdem sprachen die Verteidigungsminister beider Länder, Ashton Carter und Sergej Schoigu, nach anderthalb Jahren erstmals wieder direkt miteinander. Im März 2014 hatten Moskau und Washington ihre Militärgespräche wegen der Ukraine-Krise ausgesetzt.

Bild am Sonntag zufolge wollen die USA künftig russische Militäraktionen gegen die Terrormiliz in Syrien mit Erkenntnissen aus Spionage-Tätigkeiten unterstützen. Besonders der hohe Zuwachs unter den IS-Kämpfern und der Flüchtlingsstrom aus Syrien hätten die beiden Großmächte zum gemeinsamen Handeln gezwungen.

Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und hat den Einsatz von Bodentruppen nicht ausgeschlossen. Es stockte nach US-Angaben kürzlich seine Militärpräsenz in Syrien auf. Die USA lehnen eine Zusammenarbeit mit Assad ab. Sie bekämpfen den IS in Syrien und im Irak mit Luftangriffen, schließen den Einsatz von Bodentruppen aber aus.

Lambsdorff fordert deutsche Luftangriffe gegen IS-Miliz

Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, fordert eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Terrormiliz. "Es darf keine Arbeitsteilung geben nach dem Motto "England und Frankreich kämpfen gegen den IS, Deutschland nimmt die Flüchtlinge auf"", sagte der FDP-Politiker der Welt am Sonntag.

So wie Berlin in der Flüchtlingsfrage Solidarität von den Partnern einfordere, müssten sich auch die Verbündeten bei der Bekämpfung von terroristischen Islamisten auf Deutschland verlassen können. "Wenn unsere Luftwaffe angefordert wird, muss der Bundestag ein Mandat erteilen. Die Flüchtlingsströme zeigen doch, dass die Niederschlagung des islamistischen Terrors in unserem unmittelbaren Interesse liegt", sagte Lambsdorff.