661.

In Worten: Sechshunderteinundsechzig. So viele Flüchtlinge halten sich laut Statistik des UNHCR in Saudi-Arabien auf. Die Zahl stammt vom Dezember 2014. Neuere stehen nicht zur Verfügung, aber an dem Stand hat sich nicht viel geändert. 

In Katar verzeichnen die UN 221 Flüchtlinge, in Kuwait 1.652. Das Gesamtergebnis unterm Strich: Die Grenzen der reichen Golfstaaten sind für Vertriebene und Verfolgte fest geschlossen. Auch und gerade für die arabischen "Brüder und Schwestern" aus Syrien, wo eben diese Golfstaaten den Bürgerkrieg durch Waffenlieferungen und Geld an islamistische Rebellen unterstützen. 

Lange stieß dieser eklatante Widerspruch in den Golfländern niemandem auf. Doch seit auch auf Al Jazeera und Al-Arabija die dramatischen Bilder vom Mittelmeer, von ungarischen Grenzzäunen und deutschen Aufnahmezentren gezeigt werden, schwappt eine kleine Welle der Empörung und Scham durch arabische Social Media.

#Welcoming_Syria's_refugees_is_a_Gulf_duty (Syriens Flüchtlinge willkommen zu heißen, ist eine Pflicht der Golfländer) – so lautet ein Hashtag, unter dem auf Twitter derzeit Fotos von gestrandeten Flüchtlingen auf Kos, von improvisierten Camps in Mazedonien und Schiffbrüchigen im Mittelmeer zirkulieren. 

"Die Araber sind die Ungläubigen"

Arabische Medien üben erstmals Kritik an ihren Regierungen. Die saudische Tageszeitung Makkah wagte vor wenigen Tagen eine Karikatur, in der ein Golfaraber hinter einer Stacheldrahttür Europa auffordert, die syrischen Flüchtlinge gefälligst einzulassen.

Syrische Gruppen im europäischen Exil versuchen ihrerseits, ihren arabischen Brüdern und Schwestern am Golf ein schlechtes Gewissen zu machen. Auf Facebook-Seiten zeigen sie Videos von demonstrierenden Flüchtlingen in Ungarn, die nach Österreich weiter wollen; und von Straßenaktionen in deutschen Städten, auf denen der Ruf "Refugees Welcome!" ertönt. Wie es denn sein könne, fragt ein Syrer auf Facebook, dass "wir aus der Region unserer muslimischen Brüder geflohen sind, die mehr Verantwortung für uns übernehmen sollten als ein Land, das sie als ungläubig bezeichnen". Worauf ein anderer antwortet: "Ich schwöre beim allmächtigen Gott, die Araber sind die Ungläubigen."

Solche Verwünschungen werden weder in Saudi-Arabien noch in Katar oder Kuwait etwas bewirken. Die herrschende Meinung gab der kuwaitische Sicherheitsexperte Fahad Al-Shelaimi vor einigen Tagen in einem Fernsehinterview wieder. "Man kann nicht Menschen aus einer anderen Kultur, die auch noch schwer traumatisiert sind, herbringen", antwortete er auf die Frage, warum die Golfländer keine Flüchtlinge aufnehmen. Außerdem, so Al-Shelaimi, seien die Lebenshaltungskosten am Golf viel höher als in Aufnahmeländern wie Jordanien und dem Libanon. Folglich sei es sinnvoller, die Flüchtlinge blieben dort und würden vom Golf mit Spenden versorgt.   

Nicht nur den Syrern, auch allen haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Europa, im Libanon und Jordanien stehen bei solchen Argumenten die Haare zu Berge.