Die Separatisten sind aus der als historisch eingestuften Wahl in Katalonien offensichtlich als Sieger hervorgegangen. Laut ersten Hochrechnungen erreichen sie die absolute Mehrheit. Wie die Behörden nach Auszählung von 64 Prozent der Stimmen am Sonntagabend mitteilten, kommt die separatistische Allianz Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja) des katalanische Ministerpräsidenten Artur Mas auf 62 Sitze. Die linksradikale Unabhängigkeitsbewegung CUP errang zehn Sitze.

Mit diesen 72 der 135 Sitze im Parlament stellen beide gemeinsam künftig die absolute Mehrheit. Den Teilergebnissen zufolge erreichten beide Bündnisse zusammen 47,3 Prozent der Stimmen.

Mas hatte die vorgezogene Wahl als ein Plebiszit über eine Abspaltung der Region von Spanien angesetzt. Er hatte angekündigt, Katalonien in 18 Monaten zur Unabhängigkeit zu führen, wenn seine Bewegung die absolute Mehrheit erreicht. CUP-Kandidat Antonio Banos schrieb nach Veröffentlichung der Prognose auf Twitter, seine Partei sei mit den vorläufigen Ergebnissen zufrieden und bereit, einen Unabhängigkeitsvorstoß zu unternehmen.

Die konservative Madrider Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte wiederholt angekündigt, eine Abspaltung Kataloniens unter keinen Umständen zuzulassen. Katalonien hatte sich bereits 2006 zur Nation erklärt. Diesen Status erkannte das spanische Verfassungsgericht der Region 2010 wieder ab. Im November 2014 klagte die Regierung des Landes vor dem Verfassungsgericht gegen ein Unabhängigkeitsreferendum und konnte dieses so verhindern.

Katalonien steuert fast ein Fünftel zur spanischen Wirtschaftsleistung bei und bekommt nach Ansicht von Kritikern dafür nicht genug von der Regierung zurück. In der Region im Nordosten des Landes leben rund 7,5 Millionen Menschen. Spanien erholt sich gerade erst langsam wieder von einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die dem Land über Jahre hinweg Arbeitslosenraten von über 22 Prozent bescherte.