Der EU-Kommissar für Migration, Dimitris Avramopoulos © Francois Lenoir/Reuters

Bewohner der griechischen Insel Kos haben den stellvertretenden EU-Kommissionspräsidenten Frans Timmermans und den für Migration zuständigen EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos beschimpft. "Verräter! Raus Verräter! Ihr habt unsere Insel zerstört", riefen die Versammelten den beiden zu.

Das ist in einem Video zu sehen, das im griechischen Fernsehen gezeigt wurde und im Internet abrufbar ist. Bei den Demonstranten soll es sich um Rechtsextremisten gehandelt haben.

Timmermans und Avramopoulos waren am Freitagmorgen nach Kos gereist, um sich ein Bild der Lage in den Flüchtlingsunterkünften zu machen. Auf Inseln der Ostägäis herrschen teils chaotische Zustände. Hunderte Migranten schlafen im Freien und werden nur mangelhaft versorgt. Am Donnerstagabend war es auf Kos zu Schlägereien zwischen Einheimischen und Migranten gekommen.  

Chaotische Lage auf ägäischen Inseln

Die Lage auf den Inseln der Ostägäis ist nicht nur für Flüchtlinge kritisch. "10.000 Liter Exkremente gibt es täglich im Hafen von Mytilini", sagt Spyros Galinos, Bürgermeister des zentralen Ortes auf der Insel Lesbos. Tausende Asylsuchende warten im Freien auf eine Fähre, die sie zum Festland bringt. Fast täglich werden rund 2.500 von ihnen abgeholt. Gleichzeitig kommen aber Tausende neue Migranten an.

Die Gemeinden und Verwaltungen sind überfordert. Nach EU-Verordnung darf man Flüchtlinge erst offiziell versorgen, wenn sie registriert sind. Wer etwa einen nicht-registrierten Migranten in seinem Wagen mitnimmt, um ihn in ein Aufnahmelager zu bringen, könnte sich als Schleuser strafbar machen.   

In den vergangenen Tagen und Wochen kamen immer mehr vor allem syrische Flüchtlinge aus der Türkei über die Ägäis nach Kos. Immer wieder kommt es dabei zu Bootsunglücken. Kürzlich erregte das Foto der Leiche eines Jungen weltweites Aufsehen, die in Bodrum angespült wurde. Er war mit seiner Familie auf dem Weg von der Türkei nach Kos.     

Kos - Flüchtlinge fühlen sich von Europa im Stich gelassen