Die Taliban haben die Rückeroberung von Kundus durch afghanische Truppen bisher abgewehrt. Den dritten Tag in Folge wird um die 300.000-Einwohner-Stadt heftig gekämpft.

Die Taliban konnten in Richtung des Flughafens vorrücken, wo sie sich in Gefechten mit Regierungstruppen befinden. Am Morgen hieß es, die Aufständischen seien am Flughafen durch eine Gegenoffensive von 5.000 Soldaten etwas zurückgedrängt worden.

Hunderte afghanische Sicherheitskräfte, die zur Verstärkung kommen sollten, stecken aber in der Nachbarprovinz Baghlan fest, weil Talibankämpfer Straßen mit Steinen, Sandsäcken und Sprengfallen blockiert haben.

Die Taliban hatten die Provinzhauptstadt am Montag überraschend mit 2.000 Kämpfern eingenommen – es war ihr erster derartiger Erfolg seit ihrer Entmachtung im Jahr 2001. Die Extremisten befreiten Hunderte Häftlinge aus dem Gefängnis, setzten Regierungsgebäude in Brand, darunter die Geheimdienstzentrale, hissten ihre weißen Flaggen und kündigten die Einführung des islamischen Rechts der Scharia an.

Seit Dienstag versucht die afghanische Armee mit Unterstützung der US-Luftwaffe das Gebiet zurückzuerobern. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte am Dienstag, die US-Regierung gehe davon aus, dass es Kabul gelingt, die Taliban wieder zurückzudrängen. Die US-Luftwaffe unterstützte die afghanischen Regierungstruppen am Dienstag mit Luftangriffen auf mutmaßliche Taliban-Stellungen in den Vororten von Kundus.

Mittlerweile flogen Bundeswehrangehörige nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums als Teil einer internationalen Gruppe nach Kundus und informierten sich über die Lage. Die Bundeswehr ist mit bis zu 850 Soldaten in Masar-i-Scharif und Kabul präsent. Bis Oktober 2013 war die Bundeswehr im Rahmen der internationalen Nato-Schutztruppe dort stationiert. Die Region ist sehr fruchtbar und gilt als Kornkammer Afghanistans. Auch werden dort zahlreiche Rohstoffe gewonnen.

Der afghanische Geheimdienst verkündete am Mittwochmorgen, bei koordinierten Angriffen in der Nacht sei der "Schattengouverneur" der Taliban für die Provinz gemeinsam mit seinem Stellvertreter und 15 weiteren Kämpfern getötet worden.

Video: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte, die Taliban-Offensive müsse eine Grundlage für Überlegungen der NATO über ein möglichen Vorgehen in Afghanistan nach 2016 sein.