Ein türkischer Polizist bringt den ertrunkenen Jungen weg. © AP/dpa

Das Foto eines toten Kindes wird zum Symbol für das Leid der Flüchtlinge im Mittelmeer: Der kleine Junge liegt an einem türkischen Strand. Er war ertrunken. Bei Twitter wurde das Foto unter dem Hashtag in türkischer Sprache #KiyiyaVuranInsanlik ("Die fortgespülte Menschlichkeit") verbreitet.

#KiyiyaVuranInsanlik war am Mittwoch weltweit das am häufigsten verwendete Hashtag auf Twitter. Internationale Medien und Menschenrechtsorganisationen nehmen auf das Bild Bezug.

Der kleine Körper des Jungen, bekleidet mit einem roten T-Shirt und einer kurzen blauen Hose, war an einen Strand im Süden der Türkei gespült worden. Ein junger Polizist trug die Leiche davon. Auf einem Foto ist zu sehen, wie der Polizist den Kopf zur Seite dreht, so als wolle er die Kinderleiche nicht ansehen.

"Ein Foto, um die Welt zum Schweigen zu bringen", kommentierte die italienische Zeitung La Repubblica. "Der Untergang Europas", schrieb die spanische Zeitung El Periodico in ihrer Onlineausgabe. "Was, wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern?", fragte die britische Zeitung The Independent auf ihrer Website. Mehrere Medien druckten ein Foto der Szene auf der Titelseite.

Medienberichten zufolge war der Junge drei Jahre alt, als er bei der Flucht über das Mittelmeer starb. Auch sein Bruder überlebte den Angaben zufolge die Überfahrt nicht. Die Familie war den Berichten zufolge vergangenes Jahr aus der syrischen Stadt Kobane vor der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in die Türkei geflohen. 

Nun wollte sie mit Unterstützung einer privaten Initiative weiter nach Kanada. Das allerdings gestaltete sich schwierig, denn die Vereinten Nationen hätten die kurdischen Syrer nicht als Flüchtlinge anerkannt und die Türkei ihnen keine Ausreisegenehmigung erteilt, berichtet eine Kanadierin, die die Familie unterstützte. Weil eine legale Ausreise nicht möglich war, wählte die Familie den Weg über das Mittelmeer.  

Der Junge saß vermutlich in einem von zwei Flüchtlingsbooten, die am Mittwochmorgen auf dem Weg von der türkischen Küste zu einer griechischen Ägäis-Insel sanken. Insgesamt zwölf tote Flüchtlinge aus Syrien, darunter fünf Kinder, wurden von der türkischen Küstenwache geborgen. 15 Flüchtlinge schafften es an Land. Drei Menschen wurden noch vermisst.

Der Notfall-Leiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Peter Bouckaert, schrieb in einem Blogeintrag, die Flüchtlinge seien "nahezu sicher gestorben, als sie versuchten, in Europa in Sicherheit zu gelangen, indem sie an Bord eines Schmugglerboots gingen. Stattdessen endeten sie als die neuesten Opfer von Europas armseliger Antwort angesichts einer wachsenden Krise". 

Seit Jahresbeginn haben schätzungsweise mehr als 350.000 Flüchtlinge die gefährliche Reise über das Mittelmeer gemacht, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Oft schicken Schlepper völlig überladene und seeuntaugliche Boote auf den Weg. Dabei kommen immer wieder Menschen ums Leben.

Von ihrer gefährlichen Schlepperfahrt im September 2014 berichtet eine palästinensische Familie in diesem Video.

Flüchtlinge - "Sie warfen uns auf das Boot wie Kartoffeln“