Russland greift direkt in den Syrienkrieg ein. Die Regierung in Moskau hat bestätigt, gegen Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorzugehen. Kampfjets hätten Munitionsdepots und Treibstofflager des IS etwa 200 Kilometer von Damaskus entfernt bombardiert, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow der Agentur Interfax zufolge. Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe enge Verbündete Russlands informiert, sagte er.

Zuvor hatte der Sender CNN unter Berufung auf einen US-Regierungssprecher von Angriffen nahe der Stadt Homs berichtet. Ein russischer General habe die US-Botschaft in Bagdad über den Angriff informiert, berichtete der TV-Sender. Der General habe einem Militärattaché gesagt, dass der Angriff innerhalb einer Stunde stattfinden werde, ohne den Ort zu nennen. Zudem habe er die USA aufgefordert, Kampfflugzeuge aus dem syrischen Luftraum abzuziehen.

Der Angriff erfolgt nur Stunden, nachdem das Parlament in Moskau den Weg freigemacht hatte für einen Militäreinsatz in Syrien. Die Abgeordneten im Föderationsrat hatten einer entsprechenden Anfrage von Präsident Wladimir Putin einstimmig zugestimmt. Der Militäreinsatz beschränke sich auf das Fliegen von Luftangriffen, Bodentruppen würden nicht zum Einsatz kommen, hieß es. Die russische Regierung sagte, der Einsatz der Luftwaffe sei notwendig, "um die syrischen Regierungskräfte im Kampf gegen den 'Islamischen Staat' zu unterstützen". Man habe eine Hilfsanfrage des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bekommen.

Fraglich ist, ob die Luftangriffe tatsächlich nur IS-Stellungen zum Ziel haben. In der US-Regierung wird dies angezweifelt. Sprecher aus Washington bestätigten der New York Times, die Angriffe hätten Homs gegolten – einer Gegend, in der syrische Oppositionsgruppen, nicht jedoch der IS operiert. Schon behaupten syrische Aktivisten, der Angriff habe Stellungen der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) getroffen. Bestätigt werden konnten diese Berichte nicht.

Der russische Föderationsrat hatte am Morgen hinter geschlossenen Türen über die von Putin erbetene Genehmigung des Einsatzes beraten. Zuletzt hatte Putin die höhere Kammer des Parlaments vor der Annexion der Krim im März 2014 um solch einer Zustimmung gebeten. Sie ist laut der russischen Verfassung für einen Auslandseinsatz nötig.

Stabschef Sergej Iwanow sagte, Russland habe entschieden, dem Verbündeten Assad im Kampf gegen den IS zu helfen – und nicht, um irgendwelche außenpolitischen Ziele zu erreichen, wie dem Land häufig von den Partnern aus dem Westen vorgeworfen werde. "Wir reden über die russischen Sicherheitsinteressen." Der größte Unterschied zu anderen Ländern, die in Syrien Luftangriffe flögen, sei der, dass diese sich nicht an das Völkerrecht hielten, "wir aber schon", sagte Iwanow.

Russland ist einer der engsten Partner der syrischen Regierung und baut seine Militärpräsenz in dem Land seit Wochen aus. Die USA werfen dem Land vor, der syrischen Armee mit Kampfflugzeugen, Panzern und anderer Ausrüstung zu helfen. Putin hatte sich bei der UN-Vollversammlung hinter Assad gestellt und es als großen Fehler bezeichnet, nicht mit Syrien zu kooperieren. US-Präsident Barack Obama hatte in seiner Rede vor der Vollversammlung dagegen die Absetzung des "Tyrannen" Assad gefordert.

Videografik - Die russisch-syrischen Beziehungen Während Russland am syrischen Machthaber festhält, fordert der Westen seine Ablösung. Dieses Video erläutert die Hintergründe der engen russisch-syrischen Beziehungen.