Zentrale der türkischen Zeitung "Hürriyet" in Istanbul © AFP/Getty Images

In der Türkei haben Nationalisten mehrere Gebäude der kurdischen Partei HDP angegriffen. Der Journalist Denis Yücel twitterte eine Mitteilung der Partei, in der es heißt, das Hauptgebäude in Ankara werde attackiert. Hürriyet Daily News berichtet, dass mehrere Menschen Steine auf das Gebäude geworfen hätten. Hunderte Menschen hätten das Gebäude attackiert, sagte der HDP-Abgeordnete Garo Paylan. "Die Polizei sieht nur zu", sagte er. "Was hier zerbrochen wird, ist unsere Hoffnung, friedlich zusammenzuleben."

Anschließend brannte das Gebäude. Der Journalist Noah Blaser twitterte ein Foto des ausgebrannten Büros. Auch vier Läden eines kurdischen Geschäftsmannes seien in Brand gesteckt worden, berichtete Hürriyet

Zuvor hatte es mehrere Demonstrationen gegen den Terror der verbotenen kurdischen Partei PKK gegeben. Zehntausende Menschen hätten in der Türkei demonstriert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Von dort seien dann mehrere aufgebrachte Nationalisten vor die kurdischen Einrichtungen gezogen und hätten sie angegriffen, berichtete Hürriyet.

Nationalistische Demonstranten hätten etwa in der anatolischen Stadt Kırşehir die Flagge der HDP vor deren Büro eingeholt und stattdessen die türkische gehisst. In der Hafenstadt Alanya brannte das Büro der Partei, twitterte CNN Türk. Die HDP verbreitete ein Video, in dem das brennende Gebäude zu sehen ist.

Auch das Büro der Hürriyet Daily News wurde erneut attackiert. Etwa 100 Menschen hätten sich außerhalb des Gebäudes versammelt. Die Polizei habe sie anschließend nicht daran gehindert, dieses zu betreten, berichtet die Zeitung. Die Angreifer riefen "Allahu akbar" als sie das Gebäude stürmen wollten. Einsatzkräfte hätten dies im letzten Moment verhindert. Nach 25 Minuten hätten Polizei- und Einsatzkräfte die Angreifer aus dem Vorgarten des Gebäudes vertrieben.

Seit vergangenem Sonntag ist die Gewalt zwischen PKK und türkischen Sicherheitskräften eskaliert. Die PKK tötete bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im südtürkischen Dağlıca in der Nähe der irakischen Grenze nach Militärangaben 16 Soldaten und verletzte sechs weitere. Die türkische Armee verstärkte daraufhin ihre Offensive gegen PKK-Stellungen. Dabei rückten Bodentruppen auch in den Irak vor

In den Kandil-Bergen im Nordirak hat die verbotene Kurdenorganisation PKK verschiedene Stützpunkte und auch ihr Hauptquartier. Türkische Kampfflugzeuge hatten dort in der Nacht 20 Ziele angegriffen. Bei mehreren Anschlägen starben am Dienstag mindestens 15 Sicherheitsbeamte. Allein bei einem Bombenanschlag in Iğdır nahe der Grenze zu Armenien kamen mindestens 14 Polizisten ums Leben. Ein weiterer Polizeibeamter wurde in der Provinz Tunceli getötet. Berichte über drei weitere Tote bei einem Anschlag in Şırnak wurden von der Provinzverwaltung dementiert.

Bei den Parlamentswahlen im Juni hatte die HDP 13,1 Prozent der Stimmen erreicht. Gleichzeitig verlor die AKP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ihre absolute Mehrheit im Parlament. Derzeit gibt es eine Übergangsregierung, an der auch die HDP beteiligt ist. Sie soll bis zu den Neuwahlen am 1. November im Amt bleiben. Erdoğan will bei der Wahl die Mehrheit der Stimmen zurückgewinnen. Sollte die HDP erneut die 10-Prozent-Hürde schaffen, ist das aber unwahrscheinlich.