Die Ukraine hat ihre gegen Russland gerichtete Sanktionen deutlich erweitert und auch mehrere westliche Journalisten mit Einreiseverboten belegt. Unter den 400 Personen ist auch der frühere Chefredakteur der Wochenzeitung Rheinischer Merkur und freier Autor der ZEIT-Beilage Christ und Welt, Michael Rutz. Auf der vom ukrainischen Präsidialamt veröffentlichten Liste stehen der russische Verteidigungsminister und der russische Parlamentspräsident.

Unter den ausgesperrten Journalisten sind zudem die beiden Spanier Antonio Pampliega und Ángel Sastre, die im Juli in Syrien verschwanden. Es wird davon ausgegangen, dass sie von der Terrormiliz "Islamischer Staat" entführt wurden. Gelistet sind außerdem zwei für russische Nachrichtenagenturen arbeitende Journalisten, die in Südafrika und der Türkei tätig sind und keine eindeutigen Verbindungen zur Ukraine haben. Auch drei Mitarbeiter der BBC befanden sich zunächst auf der Liste. Die Einreiseverbote gegen den langjährigen Moskau-Korrespondent Steve Rosenberg, Produzentin Emma Wells und den russischen Kameramann Anton Chicherow wurden später aber aufgehoben.

Die Regierung in Kiew hatte im vergangenen Jahr schon zahlreiche Russen und Aufständische mit Sanktionen belegt, die für die Krise im Osten und die Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim verantwortlich gemacht werden. Diese Liste wurde allerdings nie veröffentlicht. Auf der erweiterten Liste stehen neben 400 Einzelpersonen auch 90 Firmen. So muss etwa die russische Fluglinie Aeroflot Einschränkungen hinnehmen. Ukrainische Behörden dürfen die Antivirussoftware des russischen Anbieters Kaspersky nicht verwenden.

Poroschenko setzte den Sanktionsbeschluss per Erlass in Kraft. Dem deutschen Autor Rutz werden in der Liste Handlungen vorgeworfen, die "Gefährdungen der nationalen Interessen, der nationalen Sicherheit, der Souveränität und der territorialen Einheit der Ukraine darstellen und die zu terroristischen Aktivitäten beitragen". Ferner sind als Gründe für die Sanktionen Handlungen aufgeführt, die "die Rechte und Freiheiten der Menschen und Bürger, die Interessen der Gesellschaft und des Staates verletzen, die zur Okkupation des Territoriums, Enteignung oder Einschränkung der Eigentumsrechte, Immobilienverlusten, der Behinderung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung führen und die eine vollwertige Realisierung der Rechte und Freiheiten der Bürger der Ukraine durch selbige behindern".

Rutz zeigte sich von dem Einreiseverbot überrascht: "Ich war noch nie in der Ukraine und habe auch nicht die Absicht, in nächster Zeit dorthin zu reisen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. In seinen journalistischen Arbeiten habe er die Annexion der Krim als solche benannt, sagte Rutz. Angeblich sei er auf der Liste als Wahlbeobachter geführt, er habe jedoch nie eine Wahl beobachtet, sagte Rutz. Er wisse nicht, wie er auf diese Liste gelangt sei.

Rutz ist Mitglied des deutschen Lenkungsausschusses im Petersburger Dialog. Das Gremium versteht sich als deutsch-russisches Diskussionsforum und fördert nach eigener Aussage die Verständigung zwischen allen Bereichen der Zivilgesellschaften beider Länder. Er war im Jahr 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Leben gerufen worden.