Die USA wollen im kommenden Jahr mindestens 5.000 Flüchtlinge mehr als zuletzt aufnehmen, darunter auch Menschen aus Syrien. Ein ranghoher Vertreter des US-Außenministeriums sagte, in den vergangenen drei Jahren habe sein Land jeweils etwa 70.000 Flüchtlinge aufgenommen, 2016 sollten es "etwas mehr" sein.

Nach Angaben aus Regierungskreisen nannte Außenminister John Kerry vor Parlamentariern die Zahl von 5.000 zusätzlichen Personen, die ins Land kommen sollten. Ein Regierungsberater sagte, tatsächlich könne die Zahl auch deutlich höher ausfallen.

Kerry hatte zuvor erklärt, es werde noch geprüft, wie viele zusätzliche Flüchtlinge aufgenommen werden könnten. Seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor vier Jahren haben die USA nur 1.500 Menschen aus dem Land aufgenommen.

Die US-Regierung war zunehmend unter Druck geraten, mehr Menschen aufzunehmen. Der Nachrichtensender CNN rechnete vor, dass die USA lediglich 0,03 Prozent der mehr als vier Millionen Syrer Schutz böten. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Martin O'Malley rief zur Aufnahme von 65.000 syrischen Flüchtlingen auf. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wünscht sich, dass die Vereinigten Staaten 15.000 Syrer ins Land lassen.

Doch die Umsiedlung von Flüchtlingen aus den Camps in Jordanien oder dem Libanon ist ein komplizierter Prozess und wird durch Sicherheitsbedenken in die Länge gezogen. Die USA durchleuchten jeden Kandidaten genau. Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums fliegen in die Lager vor Ort und führen Interviews mit in Frage kommenden Familien. Die Angst ist groß, Islamisten die Einreise in die Vereinigten Staaten zu ermöglichen.

33.000 Plätze für den Nahen Osten

Die US-Regierung bestimmt für jedes Haushaltsjahr die Obergrenze an Flüchtlingen. Zuletzt lag das Limit bei 70.000, aufgeschlüsselt nach Weltregionen. Auf Länder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Südasien entfielen etwa 33.000 Plätze, für Afrika waren 17.000 und für Flüchtlinge aus ostasiatischen Staaten 13.000 Plätze reserviert. Das neue Kontingent muss vor Beginn des Haushaltsjahres 2016 am 1. Oktober feststehen.

Nach Deutschland sind alleine am vergangenen Wochenende 20.000 Flüchtlinge gekommen. Die Regierung rechnet für das Gesamtjahr mit 800.000. Deutschland verlangt von den EU-Partnern, sich stärker an der Aufnahme von Flüchtlingen zu beteiligen. Innerhalb der Staatengemeinschaft ist ein Streit über eine verpflichtende Quotenregelung entbrannt. Vor allem Osteuropa stemmt sich gegen eine solche Regelung. Die britische Regierung kündigte zuletzt an, rund 20.000 Flüchtlinge aus Lagern an der syrischen Grenze aufzunehmen.

Auch Länder außerhalb der EU wollen helfen, die Flüchtlingskrise in Syrien zu bewältigen. So erklärte sich beispielsweise Australien bereit, 12.000 weitere Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Die brasilianische Staatschefin Dilma Rousseff sagte zuletzt, ihr Land nehme syrische Flüchtlinge in diesen Krisenzeiten "mit offenen Armen" auf.