Mehrere Attentäter haben sich auf einem Fischmarkt und in einem Flüchtlingslager in der am Tschadsee gelegenen Stadt Baga Sola in die Luft gesprengt. Regierungssprecher Hassan Sylla Bakari sagte, es seien mindestens 41 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch die fünf Attentäter – ein Mann, zwei Frauen und zwei Kinder. Bakari versicherte: "Die Lage ist komplett unter Kontrolle."

Der Tschadsee grenzt an Nigeria, ein Militärsprecher machte die dortige Islamistengruppe Boko Haram für die Anschläge verantwortlich. Der Tschad beteiligt sich an einer regionalen Militärmission gegen die Extremisten und wurde deshalb bereits mehrfach Ziel von Vergeltungsanschlägen. Die Boko Haram setzt für die Attentate oft Selbstmordattentäterinnen ein, die die Sprengstoffgürtel unter ihren langen Kleidern verstecken. Die tschadische Regierung verhängte deshalb auch ein Burka-Verbot.

Einwohner berichteten am Telefon von allgemeiner Panik. Den Menschen biete sich ein grauenhaftes Bild, überall lägen Leichen und Leichenteile. Viele versuchten auf eigene Faust, abgetrennte Gliedmaßen den Opfern zuzuordnen. Es gab unterschiedliche Zahlen darüber, wie viele Menschen verletzt wurden. Die Regierung sprach von 48 Verwundeten, das UN-Kinderhilfswerk Unicef von mindestens 53, darunter 14 Kinder.

In Baga Sola leben seit Monaten Tausende Nigerianer, die vor Boko Haram geflohen sind – darunter nach UN-Angaben 3.000 im Flüchtlingslager. Die Region galt bisher als weitgehend sicher, die Selbstmordattentate der Extremisten im Tschad hatten sich auf die Hauptstadt N'Djamena konzentriert.

Boko Haram kämpft seit sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias und hat dabei etwa 20.000 Menschen getötet. Seit vergangenem Jahr verübt die Miliz aber auch vermehrt Anschläge in den Nachbarländern, deren Armeen inzwischen gemeinsam mit den nigerianischen Truppen gegen die Extremisten kämpfen. Die Gruppe hat Hunderte Frauen und Kinder verschleppt, die unter anderem zu Selbstmordattentaten gezwungen werden.

Zuletzt veröffentlichte sie ein Video von der Enthauptung eines nigerianischen Soldaten. In dem Clip seien auch Kämpfe der Extremisten mit ihren Gegnern und Leichen von weiteren getöteten Soldaten zu sehen, berichtete die Organisation SITE, die auf die Beobachtung von Extremistenseiten im Internet spezialisiert ist.

Boko Haram schwor der Terrormiliz IS ihre Gefolgschaft.