Die Vereinten Nationen haben die Sprache europäischer Politiker in der Flüchtlingskrise kritisiert. Vielen benutzten eine "entmenschlichende Rhetorik", wenn sie die Situation mit Begriffen wie "Flüchtlingsströme" oder "Menschenschwarm" beschrieben, sagte der Hohe Kommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein in einem Interview

Die Verwendung solcher Begriffe nannte Al-Hussein "gedankenverlorenen" und "verwirrend". Eine ähnliche Sprache sei auch unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg verwendet worden, als große Teile der Welt die Augen vor dem Schicksal der europäischen Juden verschlossen. Damals hätten zahlreiche Staaten sich geweigert, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen, weil sie angeblich die Gesellschaft und die Wirtschaft destabilisieren würden. Diese Weigerung habe Hitler in die Hände gespielt.

"Wenn man sich die Äußerungen von damals durchliest und sie mit heute vergleicht, wird man feststellen, dass sie viele Ähnlichkeiten aufweisen", sagte Al-Hussein. Viele Politiker hätten diese Haltung hinterher bereut. Eine Betrachtung der Geschichte könne daher nur dazu führen, dass man seine Worte gut abwägt. "Es handelt sich um Menschen", sagte der Hohe Kommissar. Schon das Wort "Migrant" suggeriere aber, dass die Flüchtlinge keine Rechte hätten.

In der Pflicht sieht Al-Hussein allerdings nicht nur die Politik, sondern auch die Medien. Viele verbreiteten etwa die falsche Behauptung, dass von bestimmten Flüchtlingsgruppen eine Gefahr ausginge. Mit der Anmerkung spielte Al-Hussein im Besonderen auf die Äußerungen einer britischen Boulevard-Journalistin an, die Flüchtlinge als "Kakerlaken" bezeichnet hatte.