Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bei seinem Besuch zu einem Ende der Gewalt im Nahost-Konflikt aufgerufen. "Wir wünschen uns, dass alle Seiten zur Deeskalation der Lage beitragen", sagte Merkel.

Israel habe die Verpflichtung, seine eigenen Bürger zu schützen. Dabei müsse aber die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Sicherheit und Existenz Israels seien Teil der deutschen Staatsräson, und dies werde auch so bleiben. 

Netanjahu betonte, Israel wolle Frieden. Er warf den Palästinensern vor, sich Verhandlungen zu verweigern. Zudem weigerten sie sich, Terrorismus zu verurteilen.

Kein Grund, deutsches Geschichtsbild zu ändern

Netanjahu war in die Kritik geraten, nachdem er dem einstigen Mufti in Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, eine Mitschuld am Holocaust vorgeworfen und damit den Konflikt weiter angeheizt hatte. Merkel sagte dazu, die Deutschen hätten keinen Grund, ihr Geschichtsbild zu ändern. "Wir kennen die Verantwortung der Nazis für den Zivilisationsbruch der Schoah."

Netanjahu hatte seine am Dienstag getätigte Aussage, die Palästinenser hätten Adolf Hitler erst zum Holocaust an den Juden angestachelt, relativiert und gesagt, niemand solle die Verantwortung Hitlers für den Holocaust leugnen.

Er rief die internationale Gemeinschaft auf, die derzeitige "Hetze" der Palästinenserführung gegen Israel und "die Aufwiegelung von Abbas" zu beenden. "Jede Form von Hetze führt zu Terror." Er wolle dies auch am Donnerstag mit US-Außenminister John Kerry in Berlin besprechen.

Seit Anfang Oktober kommt es in Israel und den palästinensischen Gebieten täglich zu Angriffen und Zusammenstößen. Am Abend fuhr im Westjordanland ein Palästinenser mit einem Wagen in eine Menschenmenge, vier Menschen wurden dabei verletzt. Laut dem Sender Channel 2 wurde der Attentäter von israelischen Soldaten erschossen.

Seit Beginn der neuen Gewaltwelle sind neun Israelis, ein Afrikaner und 47 Palästinenser getötet worden. Mehr als die Hälfte der Palästinenser wurde bei ihren Angriffen von israelischen Sicherheitskräften oder Zivilisten erschossen.