Ein Palästinenser betet in Jerusalem in der Nähe der Al Aksa-Moschee. (Bild vom 2. Oktober) © Muammar Awad/Getty Images

Zwei Messerangriffe auf Israelis in Jerusalem haben am Wochenende die Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts mit den Palästinensern wachsen lassen. Am Samstagabend hatte ein Palästinenser in der Jerusalemer Altstadt zwei jüdisch-israelische Männer getötet. Am Sonntagmorgen war ein 15-jähriger jüdischer Israeli in Jerusalem niedergestochen und verletzt worden. In beiden Fällen wurden die palästinensischen Angreifer von israelischen Polizisten getötet. Die israelische Zeitung Jediot Acharonot schrieb als Reaktion auf die beiden Messerangriffe auf ihrer Titelseite von einer dritten Intifada – auch wenn die Gewalt nicht so stark eskaliert ist wie bei den bisherigen Palästinenser-Aufständen.

Die palästinensische Regierung warf Israel eine bewusste Eskalation der Spannungen in Ost-Jerusalem und im Westjordanland vor. Kurz zuvor hatte die israelische Polizei erstmals entschieden, dass zwei Tage lang keine Palästinenser mehr die Jerusalemer Altstadt betreten dürfen. Ausnahmen gelten nur für direkte Anwohner und ansässige Händler. 

"Die palästinensische Regierung verurteilt die Eskalationsstrategie der israelischen Besatzungsbehörden gegen unsere Bevölkerung in Jerusalem und dem Westjordanland", hieß es in der Stellungnahme aus Ramallah. Als Beleg für die Eskalation wurde auch die Erschießung der zwei palästinensischen Attentäter angeführt. Die jüngsten Razzien der Armee an mehreren Orten im Westjordanland seien Teil der provozierten Zuspitzung. Auch gebe es Angriffe israelischer Siedler mit Steinen und Brandstiftung gegen palästinensische Nachbarn, ohne dass die Soldaten eingriffen, hieß es dort weiter.

Islamischer Dschihad - Erneut Messerangriff auf Israeli in Jerusalem In Jerusalem hat erneut ein Palästinenser einen Israeli niedergestochen. Das jugendliche Opfer sei verletzt worden und wurde in ein Krankenhaus gebracht, teilten die Behörden am Sonntag mit.

Nach Berichten der Tageszeitung Haaretz kam es in der Nacht zu Sonntag bei jüdischen Protesten an verschiedenen Orten Jerusalems zu Übergriffen gegen palästinensische Arbeiter. Hunderte rechtsgerichtete Aktivisten versammelten sich nahe der Altstadt und riefen in Sprechchören "Tod den Arabern". Die Polizei habe die Demonstranten daran gehindert, zur Anschlagstelle in der Altstadt zu ziehen, hieß es.

Die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen regiert, hatte am Samstag Palästinenser dazu aufgerufen, die Al-Aksa-Moschee in der Jerusalemer Altstadt mit Waffengewalt zu verteidigen. 

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief wegen der angespannten Lage eine Krisensitzung mit seinen Sicherheitsberatern ein. Am Montag soll das Sicherheitskabinett beraten. Netanjahu will seinen geplanten Deutschland-Besuch um einen Tag verkürzen, er kommt jetzt erst Mittwoch nach Berlin, wie die israelische Botschaft in Berlin bestätigte. Am Donnerstag finden deutsch-israelische Regierungskonsultationen statt. Vorgesehen ist neben einer gemeinsamen Sitzung von Fachministern beider Kabinette auch ein bilaterales Gespräch der Bundeskanzlerin mit Netanjahu. 

Ost-Jerusalem und das Westjordanland, die beide 1967 von Israel erobert und militärisch besetzt wurden, sind seit drei Wochen Schauplatz heftiger Zusammenstöße. Die Lage hatte sich weiter zugespitzt, als am Donnerstag nahe Nablus ein jüdisches Siedlerpaar vor den Augen seiner vier kleinen Kinder von Attentätern erschossen wurde