Die Behörde für Frauenangelegenheiten UN Women fordert die Vereinten Nationen auf, Missbrauchsvorwürfen gegen ihre Blauhelm-Soldaten genau nachzugehen. So solle ein eigener Strafgerichtshof Verbrechen von internationalen Soldaten verfolgen.

Bisher könnten Soldaten der UN-Missionen nur in ihren Heimatländern für Verbrechen belangt werden, sagte Radhika Coomaraswamy, Hauptautorin einer Studie von UN Women. Dies geschehe jedoch häufig nicht, da Staaten kein Interesse an einer strafrechtlichen Verfolgung ihrer Soldaten in anderen Ländern hätten. Die Behörde veröffentlichte den 400-seitigen Bericht zum 15. Jahrestag der Resolution 1325, die sich mit der Rolle von Frauen, Frieden und Sicherheit auseinandersetzt. 

Coomaraswamy sagte weiter, der Vorschlag eines Tribunals stamme von Rechtsexperten und nicht von UN-Vertretern. Sie glaube zwar nicht, dass sich ein solcher Strafgerichtshof schnell gründen ließe, man könne aber daran arbeiten.

In den vergangenen Monaten gab es mehrmals Missbrauchsvorwürfe gegen Blauhelm-Soldaten, vor allem in der Zentralafrikanischen Republik. Im Juli war die stellvertretende UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Flavia Pansieri, nach Kritik an ihrem Umgang mit dem Skandal zurückgetreten. In Frankreich waren Ermittlungen gegen 14 Soldaten wegen Kindesmissbrauchs eingeleitet worden. Nach offiziellen Angaben gibt es bei den Blauhelmen mindestens 13 Verdachtsfälle.