Die slowenische Armee soll an der Grenze die Polizei unterstützen - dafür stimmte das Parlament. © Leonhard Foeger/Reuters

Um den Andrang von Flüchtlingen aus Kroatien zu bewältigen, hat das slowenische Parlament den Einsatz der Armee an der Grenze genehmigt. Im Parlament in der Hauptstadt Ljubljana stimmten am frühen Mittwochmorgen bei fünf Gegenstimmen 66 Abgeordnete für eine Notverordnung zum Einschreiten der Armee, die die Polizei an der Grenze unterstützen soll.

Unter anderem werden Soldaten künftig an der Grenze patrouillieren. Außerdem soll die Armee die Flüchtlinge im Grenzbereich festhalten können. Bisher durften die Streitkräfte nur logistische Hilfe leisten.

Der slowenische Ministerpräsident Miro Cerar warf dem Nachbarland Kroatien in einem Interview fehlende Kooperationsbereitschaft in der Flüchtlingskrise vor. "Leider reagieren die kroatischen Behörden nicht auf unsere Anfragen, in denen wir um Informationen und Zusammenarbeit bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms bitten", sagte Cerar der Zeitung Die Welt. Kroatien halte sich auch nicht an Vereinbarungen, was die Grenzübergänge und die Zahl der nach Slowenien kommenden Flüchtlinge angehe. "Von einem EU-Mitglied hätte ich ein anderes Verhalten erwartet."

Allein in den vergangenen zwei Tagen waren mehr als 13.000 Flüchtlinge über die kroatische Grenze nach Slowenien eingereist, nachdem Kroatien damit begonnen hatte, die aus Serbien kommenden Menschen mit Zügen und Bussen zur slowenischen Grenze zu transportieren. Am grenznahen Flüchtlingslager Brežice gab es Randale: Wie Reporter berichteten, zündeten Flüchtlinge Zelte an, um zu verhindern, das sie dort bleiben müssen. Sie forderten "no stay". Die Polizei sperrte das Lager ab. Das Feuer sei unter Kontrolle, hieß es.

Cerar sagte in dem Interview, sein Land könne einen solchen Flüchtlingsansturm allein nicht bewältigen und fühle sich überfordert. Er verlangte deshalb mehr Solidarität von Europa. "Ich rufe alle EU-Mitgliedstaaten und Institutionen dazu auf, sich an einer gerechteren Verteilung der Lasten zu beteiligen."

Derzeit trage Slowenien "einen unverhältnismäßig großen Teil der Bürde". Niemand könne von einem Zwei-Millionen-Land erwarten, woran bereits die großen EU-Staaten gescheitert seien. "Hier steht die europäische Solidarität auf dem Spiel", sagte der Regierungschef.

EU-Sondertreffen am Sonntag

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker berief für Sonntag ein Gipfeltreffen zur Flüchtlingskrise auf der Balkanroute ein. Teilnehmen sollen die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten Deutschland, Österreich, Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Rumänien und Slowenien sowie der Nicht-EU-Staaten Mazedonien und Serbien. "Angesichts der Ausnahmesituation in den Ländern auf der westlichen Balkanroute sind eine größere Zusammenarbeit, verstärkte Beratungen und sofortiges Handeln von Nöten", teilte sein Büro mit.

Die meisten Flüchtlinge, die über das Mittelmeer zunächst in Griechenland eintreffen, ziehen über die sogenannte Balkanroute in Richtung Westeuropa.

Balkanroute - Zehntausende Flüchtlinge erreichen Slowenien Nach der Schließung der Grenzen Ungarns weichen viele flüchtende Menschen auf Slowenien aus, doch viele Aufnahmestellen sind ausgelastet. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat zu einem Spitzentreffen zum Thema Flüchtlingskrise eingeladen.