Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten in der nordsyrischen Stadt Kobane © Jake Simkin/AP Photo

Amnesty International wirft der Kurdenmiliz PYD vor, sie habe in einem von ihr kontrollierten Gebiet mehrere Dörfer eingenommen und vor allem nichtkurdische Bewohner vertrieben. Die Menschenrechtler berufen sich in ihrem Bericht auf Gespräche mit 37 Bewohnern der syrischen Provinzen Hassaka und Rakka sowie auf Satellitenbilder. Die Milizionäre drohten den Zeugenaussagen zufolge damit, Luftangriffe der US-geführten Allianz anzufordern, sollten die Häuser nicht aufgegeben werden.

Ein Vertreter der Kurden in Nordsyrien sagte der Nachrichtenagentur AP, Truppen hätten möglicherweise geringfügige Übergriffe auf Bewohner verübt, wenn sie diese verdächtigten, der IS-Miliz nahezustehen. Mit der ethnischen Zugehörigkeit der Bewohner hätten die Aktionen aber nichts zu tun, sagte er. Amnesty schrieb, die Übergriffe in zehn Dörfern kämen Kriegsverbrechen gleich.

Die PYD-Miliz gilt im Kampf gegen die Extremistenorganisation IS als wichtiger Partner der USA. Enge Verbindungen hat sie sowohl zur kurdischen Arbeiterpartei PKK als auch zu den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG). In diesem Jahr konnte sie bei Gefechten mit IS-Kämpfern wichtige Erfolge erzielen.

Haben USA Kurdenmiliz bewaffnet?

Die Nachrichtenagentur AP meldete unter Berufung auf einen Beamten aus dem nordsyrischen Kobane, die USA hätten den YPG-Volksschutzeinheiten 120 Tonnen Waffen und Munition zur Verfügung gestellt. Das Verteidigungsministerium in Washington dementierte das. Syrische Kurden seien in der vergangenen Woche nicht direkt mit Waffen oder Munition beliefert worden, teilte es der Nachrichtenagentur in einer E-Mail mit.

Für arabische Anti-IS-Gruppen habe die US-Luftwaffe im Norden Syriens allerdings Kleinwaffenmunition abgeworfen, sagte der Sprecher des für die Anti-IS-Kampagne zuständigen Militärkommandos in Bagdad, Steve Warren. Welche Gruppen die Munition erhalten sollten, sagte er nicht. Ihre Anführer seien jedoch überprüft worden und hätten im Norden Syriens gegen den IS gekämpft.

Die Bewaffnung der Rebellen folgt der neuen US-Linie im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien. Die Regierung von Barack Obama hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Ausbildung syrischer Rebellen zu beenden und stattdessen bestehende Gruppen mit Ausrüstung zu versorgen, darunter auch Munition.

Die sogenannte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) und der Beamte Mustafa Bali sagten der Nachrichtenagentur AP, die Volksschutzeinheiten und andere Gruppen hätten eine "Streitmacht für ein demokratisches Syrien" gebildet. Ihr Hauptziel sei die Bekämpfung des IS. In diesem Bündnis seien Araber, Kurden und assyrische Aufständische vereint. Ihr Ziel sei es, gemeinsam auf die Stadt Rakka zu marschieren, die zum Hauptquartier der IS-Miliz geworden ist. Die Einschätzungen von SOHR mit Sitz in Großbritannien lassen sich jedoch schwer überprüfen.