Eigentlich sind Präsident Obama und sein Außenminister John Kerry sich einig: Die USA greifen nicht noch stärker als bisher mit militärischen Mitteln in Konflikte im Nahen Osten ein. Doch derzeit sind sich die beiden offenbar uneins darüber, ob die russische Militärintervention in Syrien eine amerikanische Antwort erforderlich macht oder nicht.

Kerry nämlich lässt nach Informationen von CNN in seinem Ministerium derzeit an Plänen zur Umsetzung einer Flugverbotszone arbeiten. Und das, obwohl Obama eine solche Zone kürzlich explizit ausgeschlossen hatte – wie auch Verteidigungsminister Ashton Carter. Zu kompliziert, zu gefährlich sei eine solche Operation, erklärte der Präsident. Schließlich sei es seine Aufgabe, das Land "nicht in Dinge hinein zu manövrieren, aus denen wir später nicht herauskommen".

Obama hat gute Argumente für seine ablehnende Haltung. Denn eine Flugverbotszone würde sich jetzt nicht mehr nur gegen die Luftwaffe des syrischen Diktators Baschar al-Assad richten. Sondern auch gegen Russland, dessen Truppen Assad inzwischen offen militärisch unterstützen.

Putins Intervention in Syrien hat die USA überrumpelt: Weder hatte die Obama-Regierung vorhergesehen, dass Russland seine militärische Präsenz im Westen des Landes so schnell ausbauen würde. Noch waren die Amerikaner davon ausgegangen, dass die russischen Flugzeuge tatsächlich vor allem jene Rebellen bekämpfen würden, die Washington während der vergangenen Jahre als Verbündete behandelt hatte. 

"Es hätte so nicht kommen müssen"

Obama muss reagieren, so fordern es nun amerikanische Politiker und Militärberater sowohl aus dem Lager der Demokraten als auch der Republikaner. Manche sehen gar die amerikanische Souveränität bedroht. "Es hätte so nicht kommen müssen", polterte der republikanische Senator John McCain. Die russischen Angriffe seien "die unausweichliche Konsequenz" eines "Mangels an amerikanischer Führung".

Doch wie könnte eine Antwort auf die russischen Angriffe aussehen? Eine Flugverbotszone über dem Nordwesten Syriens, wie sie Kerrys Leuten offenbar vorschwebt, hätte einen unbestrittenen Vorteil: Es entstünde eine Region, in der die Zivilbevölkerung vor Assads Fassbomben sicher wäre. Auch könnten sich dorthin all jene Kräfte zurückziehen, die mit Unterstützung der USA gleichzeitig gegen Assad und den IS kämpfen.

Allerdings wäre schon vor Putins Intervention in Syrien eine Flugverbotszone ein riskantes Unternehmen gewesen. Nur der massive Einsatz militärischer Mittel durch die USA, vielleicht sogar die Entsendung von Bodentruppen, hätte eine solche Operation möglich gemacht. Heute wäre ein solches Vorhaben noch einmal schwerer. Man muss sich nur vorstellen, russische Flugzeuge würden in die Sperrzone eindringen. Wie sollten die USA darauf reagieren?