Die türkische Polizei hat die Zentrale eines regierungskritischen Medienkonzerns in Istanbul gestürmt und die Kontrolle über zwei Fernsehsender übernommen.

Die Polizisten verschafften sich mit Kettensägen Zugang zum Sitz der Unternehmensgruppe Koza İpek und gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Angestellte vor, die sich ihnen entgegenstellten. Das war auf im Internet verbreiteten Live-Bildern zu sehen. Die Einsatzkräfte besetzten die Regieräume des Senders Kanaltürk und der Zeitung Bugün. Der zugehörige Sender Bugün TV berichtet über die Lage vor Ort in einem Livestream.

Der Koza-İpek-Konzern, der auch im Bergbau und im Energiesektor aktiv ist, steht der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen nahe. Dieser ist ein ehemaliger Unterstützer des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und hatte sich vor zwei Jahren mit der Regierung überworfen. Seitdem wirft Erdoğan dem in den USA lebenden Gülen einen Umsturzversuch vor. Gülen weist die Anschuldigungen zurück.

Im September hatte die Polizei in einer großangelegten Razzia 23 Firmen der Koza İpek Holding durchsucht. Die Journalisten sprachen von Einschüchterung vor der Wahl.

Am Montag hatte die Justiz die Unternehmensgruppe unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Staatsanwaltschaft begründete das mit Ermittlungen wegen des Verdachts der "Terrorfinanzierung" und "Propaganda". Proteste gegen die Maßnahme ließen die Behörden gewaltsam auflösen. Vor der Zentrale der Unternehmensgruppe Koza İpek waren Dutzende Demonstranten mit Tränengas auseinander getrieben worden.

Die türkische Regierung steht seit Langem wegen ihres Vorgehens gegen Journalisten in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, kurz vor der Parlamentswahl am Sonntag den Druck auf die Medien zu erhöhen.