Internationale Beobachter haben nach eigenen Angaben ein modernes russisches Flammenwerfersystem in der Ostukraine entdeckt. Es handele sich um das extrem zerstörerische Buratino-System, sagte der Vizechef der OSZE-Beobachter in der Ukraine, Alexander Hug. Es wurde nach seinen Angaben auf einem Übungsgelände der Separatisten entdeckt.

Der Westen vermutet seit Langem, dass die Aufständischen in der Ostukraine von Russland unterstützt werden. Der neue Fund ist insbesondere besorgniserregend, weil sich prorussische Separatisten und ukrainische Regierungstruppen auf einen Abzug schwerer Waffen verständigt hatten. Auch wird die Nachricht an dem Tag bekannt, an dem sich die Staatschefs Russlands, Frankreichs, Deutschlands und der Ukraine in Paris treffen, um über Fortschritte im Friedensprozess zu beraten.

Bei dem Vierergipfel soll die Umsetzung der Friedensvereinbarungen von Mitte Februar vorangetrieben werden, auf den sich die vier Staats- und Regierungschefs in der weißrussischen Hauptstadt Minsk geeinigt hatten.

Zum Auftakt der Gespräche im Élysée-Palast trafen sich Russlands Präsident Wladimir Putin und Kanzlerin Angela Merkel zu einem Zweiergespräch. Darin sollte es auch um die russischen Luftangriffe in Syrien gehen. Parallel dazu beriet Frankreichs Präsident François Hollande mit dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärte, sie habe das Buratino-System in der Ukraine zum ersten Mal entdeckt. Nach Angaben von Experten wie dem Militärfachblatt IHS Jane's und dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut wird Buratino nur in Russland gebaut und bisher nach Aserbaidschan und Kasachstan sowie in den Irak exportiert.

Die Regierung in Kiew erklärte, Buratino gehöre nicht zum Arsenal ukrainscher Truppen. Mit dem Flammenwerfersystem kann man mehrere Häuserblöcke auf einen Schlag zerstören. Die Waffen verteilen eine brennbare Substanz, die die Explosion verstärkt.

Das Moskauer Verteidigungsministerium kommentierte den Fund nicht. Doch weist Russland Vorwürfe des Westens zurück, auf Seiten der Rebellen in den Ukraine-Konflikt einzugreifen.

"Allgemeine Tendenz zur Ruhe"

Unterdessen geht der vereinbarte Waffenabzug voran – wenngleich aus der Sicht der OSZE viel zu langsam, denn eigentlich sollten schwere Waffen an der Front längst abgezogen sein.

Am morgigen Samstag wollen die Konfliktparteien mit dem Teilabzug von Waffen beginnen. Wladislaw Selesnjow vom Generalstab in Kiew sagte, alle Vorarbeiten seien abgeschlossen. "Wir warten auf das Signal der OSZE, dass die Feuerpause eingehalten wird." Auch die Separatisten sprachen vom Abschluss ihrer Vorbereitungen. "Wir wollen morgen früh mit dem Abzug von Waffen mit einem Kaliber unter 100 Millimetern beginnen", sagte Separatistensprecher Igor Jaschtschenko in Luhansk.

Zuletzt hatten Verstöße gegen die Feuerpause den Teilabzug immer wieder verzögert. So auch in den vergangenen 24 Stunden. Präsidialamtssprecher Andrej Lyssenko sagte in Kiew, in dieser Zeit sei ein Regierungssoldat durch eine Sprengfalle verletzt worden. Alexander Turtschinow vom Sicherheitsrat in Kiew bekräftigte, es gebe eine "allgemeine Tendenz zur Ruhe". "Aber wir können nicht sagen, dass die Gefahr von Kämpfen völlig gebannt ist", sagte er.