Wegen Engpässen bei Giftcocktails sieht der US-Staat Ohio bis 2017 von der Vollstreckung von Todesurteilen ab. Die Termine für die Hinrichtungen von zwölf Häftlingen wurden durch einen Erlass von Gouverneur John Kasich auf unbestimmte Zeit verschoben, wie die Strafvollzugsbehörde mitteilte. Das bedeutet, dass in Ohio für mindestens zwei Jahre niemand exekutiert werden kann.

In dem Staat sind Medikamentenbestände für Hinrichtungen zur Neige gegangen. Bemühungen um neue Lieferungen schlugen bislang fehl. Dass der Nachschub stockte, lag nicht zuletzt am Widerstand US-amerikanischer Ärzte und Pharmazeuten – mehrere Verbände hatten sich gegen die Weitergabe der tödlichen Medikamentencocktails für Hinrichtungen ausgesprochen. Auch der Versuch, Chemikalien aus dem Ausland zu importieren, war fehlgeschlagen.

Fürs Jahr 2016 waren eigentlich elf Exekutionen geplant, für Anfang 2017 eine weitere Hinrichtung. Durch die Verschiebungen wird mit den Exekutionen von 25 Todeskandidaten nun ab Januar 2017 begonnen, bis August 2019 sollen die Todesurteile dann vollstreckt sein. 

Todesqual bei Hinrichtung

In Ohio war zuletzt im Januar 2014 an dem verurteilten Mörder Dennis McGuire das Todesurteil vollstreckt worden. Die Exekution geriet für ihn nach dem Einsatz eines neuen Giftcocktails aus zwei Medikamenten jedoch zu einer 26 Minuten langen Tortur, während der der Mann unter Schmerzen stöhnend starb.

Daraufhin stoppte Ohio die Nutzung der Giftkombination und kündigte eine Rückkehr zu zwei früher verwendeten Medikamenten für Hinrichtungen an. Doch nun hat der Staat keines dieser Mittel mehr auf Lager. Eines der Produkte, Thiopental, wird nicht länger von Firmen hergestellt, die eine Lizenz der US-Zulassungsbehörde FDA haben. Und das andere Medikament, Pentobarbital, wurde von Pharmakonzernen für den Einsatz bei Exekutionen gesperrt.

Zwar versuchte sich Ohio daraufhin mit einer Bundesimportlizenz für Lieferungen aus dem Ausland zu behelfen. Doch die FDA beschied dem Staat, dass eine solche Aktion illegal sei.

Immer mehr Staaten haben Nachschubprobleme

Ohio ist nur einer von etlichen US-Staaten, dem die Beschaffung der Medikamente für Giftspritzen Mühe bereitet. Vergangene Woche kündigte die Generalstaatsanwaltschaft in Oklahoma an, Exekutionen bis zum kommenden Jahr auszusetzen. Ihr Büro müsse erst prüfen, wieso der Staat bei einer Giftspritzeninjektion im Januar das falsche Mittel nutzte und dies im September fast erneut passiert wäre.

Anfang Oktober stoppte ein Richter in Arkansas die bevorstehenden Hinrichtungen von acht Todeskandidaten. Sie hatten gegen ein neues Gesetz geklagt, durch das der Staat jegliche Informationen über Herkunft und Vertrieb der Exekutionsmedikamente zurückhalten konnte.

In Virginia wurde am 1. Oktober der verurteilte Serienmörder Alfredo Prieto hingerichtet, doch erst nachdem man vom Strafvollzug in Texas Pentobarbital bezogen hatte. Woher das Mittel kam, will Texas aber nicht sagen.