Die Parlamentswahl in Ägypten ist von einer Gewalttat überschattet: Im ägyptischen Küstenort Al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel explodierten vor dem Büro von Wahlbeobachtern zwei Bomben. Acht Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Unter den Toten sind ein Richter und zwei Polizisten, wie eine Sicherheitsquelle mitteilte. Vier bewaffnete Männer und ein Selbstmordattentäter hätten das Gebäude in der Stadt Al-Arisch angegriffen. Sie seien ebenfalls unter den Toten. Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannten sich in einer über Soziale Netzwerke verbreiteten Erklärung zu dem Anschlag.

In dem Hotel waren demnach rund 50 Richter untergebracht, die die zweite Phase der Parlamentswahlen in Ägypten überwacht hatten. Mindestens 14 Menschen seien verletzt worden. Das Militär teilte mit, Sicherheitskräfte hätten das Feuer auf ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug eröffnet, das auf das Gebäude zuraste. Das Gefährt sei explodiert, bevor es das Gebäude erreichte. In der Zwischenzeit seien zwei Angreifer in das Hotel eingedrungen. Einer habe in der Küche seine Sprengstoffweste gezündet, der andere in einem Hotelzimmer um sich geschossen.

Bis Montagabend konnten die Wähler über die Zusammensetzung des künftigen Parlaments abstimmen. Derzeit hat Ägypten überhaupt kein Parlament. Anfang Juli 2013 hatte das Militär nach Massenprotesten den ersten frei und demokratisch gewählten Präsidenten, den Islamisten Mohammed Mursi, gestürzt. Seine Muslimbruderschaft, Gewinner der letzten Parlamentswahl im Jahr 2011, wurde verboten und durfte zu dieser Wahl nicht antreten. Seit Juni 2014 ist der ehemalige Armeechef Al-Sissi das Staatsoberhaupt. Er regiert Ägypten mithilfe von Dekreten.