Spitzenpolitiker der EU haben einen milliardenschweren Hilfsfonds für Afrika besiegelt. Die Vertreter von 28 EU-Ländern unterzeichneten das Dokument auf einem Sondergipfel in Malta. Der Topf von 1,8 Milliarden Euro soll Fluchtursachen bekämpfen, um die armutsbedingte Migration von Afrika nach Europa zu verringern. Das Geld soll auch in den Kampf gegen Schleuser fließen.

Schwerpunkt für die Unterstützung sind die Sahelzone, die Tschadsee-Region, das Horn von Afrika und Nordafrika. Von dort oder über diese Staaten machen sich die meisten afrikanischen Migranten auf den Weg nach Europa.

Die Summe von 1,8 Milliarden Euro kommt direkt aus dem EU-Budget. Die europäischen Staaten sollen zudem noch einmal die gleiche Summe beisteuern. Allerdings haben bislang erst 25 der 28 EU-Staaten sowie Norwegen und die Schweiz Beiträge angeboten. Bisher sind lediglich 78,2 Millionen Euro zusammengekommen.

Es sei wichtig, gemeinsam mit den Partnerländern in Afrika an den Ursachen der Migration zu arbeiten und die Wirtschaft und Chancengleichheit der Länder zu fördern, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Der ehemalige Leiter des UNHCR-Büros in Deutschland, Hans ten Feld, sagte dem SWR, wenn der EU-Aktionsplan eine umfassende Herangehensweise an die Flüchtlingsproblematik bedeute, dann sei heute für die Flüchtlingspolitik "tatsächlich ein guter Tag". Denn 90 Prozent der afrikanischen Flüchtlinge seien Binnenflüchtlinge, verblieben also in ihrer Heimatregion. Wenn die vereinbarten Mittel etwa für zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen in Afrika verwendet würden, könne der Aktionsplan eine Alternative zur Flucht bieten.

EU-Ratspräsident Donald Tusk warnte auf dem Gipfel vor dem Ende der Reisefreiheit in der EU. "Schengen zu retten ist ein Rennen gegen die Zeit, und wir sind entschlossen, dieses Rennen zu gewinnen", sagte der polnische Politiker. Ohne effektive Kontrolle der EU-Außengrenzen seien die Regeln allerdings nicht zu retten. Mehrere Mitgliedsstaaten stünden in der Flüchtlingskrise unter großem Druck. "Wir müssen uns beeilen, aber ohne Panik."