Wenn es brennt, dann ist er zur Stelle. Ideologiefrei, zupackend, ohne die Sache aufzubauschen. Im Bewusstsein der demokratischen Werte. Viele haben die Krisenpolitik des verstorbenen Bundeskanzlers Helmut Schmidt in ihren Nachrufen so beschrieben. Hier aber ist die Rede von François Hollande.

Nach den Attentaten vom 7. Januar gegen das Satire-Magazin Charlie Hebdo war kaum eine Stunde vergangen, da hörten die Franzosen ihren Präsidenten vom Tatort das Wort an sie richten. In dieser Nacht vergingen wieder nur wenige Stunden, bis der französische Staatschef in Person vor einem Konzertsaal voller Leichen stand, inmitten des nächtlichen Paris, und seine Worte vom Ort des Geschehens und nicht etwa von der Kanzel seines Palastes an die Öffentlichkeit richtete. Wieder, wie schon im Januar, vermied es Hollande dabei, von einem Krieg zu sprechen, und verzichtete auf militärisches Vokabular. Erst am nächsten Morgen, als sich der Islamische Staat zu den Anschlägen bekannt hatte, qualifizierte auch er die Anschläge als "Kriegsakt". Doch in einem zurückhaltenden, bewusst nicht auf eine militärische Konfrontation zuspitzenden Ton. Ganz anders als etwa der amerikanische Präsident George W. Bush nach den Attentaten vom 11. September 2001 - und obwohl sämtliche französischen Kommentatoren Hollande das K-Wort in den Mund legen wollten.

In seinen bislang drei Ansprachen nach den Attentaten fand Hollande klare Worte, sprach vom Horror des Geschehenen, der unendlichen Emotion, die ihn begleite. Unterstrich die Erbarmungslosigkeit, mit der Frankreich den Terror bekämpfen werde. Aber forderte die Franzosen auch nüchtern auf, Einheit und Ruhe zu bewahren. Er rief den Ausnahmezustand aus, um der Polizei bei der Jagd auf die möglicherweise noch auf der Flucht befindlichen Terroristen freie Bahn zu machen. Das war wohl unumgänglich.

Für weitere Dramatisierungen stand Hollande auch nach dieser, schlimmsten aller Pariser Nächte seit dem zweiten Weltkrieg nicht zur Verfügung. Kein "Liberté, egalité, fraternité", wie es US-Präsident Barack Obama sogar auf Französisch aus Washington verkündete. 

Stattdessen ließ Hollande seinen einzigen Versprecher in dieser Nacht, dass Frankreich die Grenzen schließen werde, wo es sie in Wirklichkeit doch nur strenger überwachen will, sofort öffentlich korrigieren.

An Härte im Kampf gegen den Terrorismus hat es Frankreich in der Vergangenheit indes nicht fehlen lassen. Es ließ französische Truppen in Mali einmarschieren, als die Terroristen dort die Oberhand zu bekommen schienen. Es schickte seinen größten Flugzeugträger in den Krieg gegen den "Islamischen Staat". Schon früher, 2013, wollte Hollande als erster und einziger unter den westlichen Staatschefs militärisch in Syrien intervenieren. Nur Barack Obama konnte ihn in letzter Sekunde davon abhalten, denn allein besaß Frankreich nicht die nötigen militärischen Mittel.

Jedes Mal verzichtete Hollande dabei aber auf große Kriegsrhetorik, stattdessen gab er begrenzte militärische Ziele vor: Ziele, über die man streiten kann, aber ohne die derzeit keine westliche Nahost-Politik auskommt.

So haben sogar innenpolitische Gegner des Präsidenten in letzter Zeit dessen "fehlerfreie" Außenpolitik gelobt. Die Frage ist nur, ob sie ihm etwas nützt. Ob Frankreich in Krisenzeiten wie jetzt auch ohne Pathos regiert werden kann. Oder ob sich der Präsident damit selbst sein Grab gräbt. Es dauerte nach den Attentaten vom Januar nicht lange, da war die durch sein beeindruckendes Krisenmanagement wiedergewonnene Popularität Hollandes verpufft. Das kann ihm jetzt wieder so ergehen.

Der Krisenmanager Helmut Schmidt stürzte schließlich auch einmal über seine rückblickend so vernünftige Außen- und Sicherheitspolitik, die die Ängste und Gefühle der Deutschen in Zeiten des Kalten Krieges nicht ausreichend bediente. Ängste und Gefühle – gegenüber Ausländern, dem Islam, den Flüchtlingen - aber werden nun, im Zeichen der erneuten Pariser Attentate, die politischen Gegner Hollandes schüren. Sie können dabei Europa genauso gefährlich werden wie die Terroristen.