Russland hat seine Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt. Zur Begründung verwies der Chef des Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, auf Zahlungsrückstände. Es gebe weder neue Vorauszahlungen noch neue Bestellungen. Sobald der ukrainische Konzern Naftogaz Vorauszahlungen leiste, werde Gazprom wieder liefern.

Miller sprach von ernsten Risiken für die Versorgung Westeuropas. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas für die EU. Die EU-Kommission sieht den Lieferstopp jedoch gelassen. "Die Kommission macht sich keine besonderen Sorgen über den Gasfluss von Russland an die Ukraine", sagte eine Sprecherin in Brüssel. Zuvor hatte Naftogaz in Kiew mitgeteilt, über genügend Vorräte zu verfügen. Russisches Gas sei vorerst nicht nötig. 

In den vergangenen Tagen hatten die Spannungen zwischen Kiew und Moskau wegen der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim wieder zugenommen: Als Reaktion auf die Störung der Stromversorgung auf die Krim drohte Russland mit Unterbrechung seiner Energielieferungen in die Ukraine.

Am Wochenende waren vier Strommasten in der Region Cherson, die von der Regierung in Kiew kontrolliert wird, zerstört und damit die Stromversorgung der Krim unterbrochen worden. Russland hatte den Angriff scharf kritisiert. Ukrainische Nationalisten und Krimtataren bestreiten, für die Anschläge verantwortlich zu sein. Sie blockieren allerdings die Reparatur der Leitungen. Die Reparaturteams stünden bereit, sagte ein Vertreter des regionalen Energieversorgers Ukrenergo. Alles hänge von Verhandlungen der Blockierer mit den Behörden ab.

Die Regierungen in Kiew und Moskau streiten immer wieder über Gas. Erst im Oktober hatten beide Staaten durch Vermittlung der Europäischen Union einen Konflikt beigelegt und Lieferungen wieder aufgenommen.