Die Terrormiliz "Islamischer Staat" setzt sich in Libyen fest. Italienischen Medienberichten zufolge befinden sich derzeit mehr als 2.000 IS-Kämpfer in der Hafenstadt Sirte, dem Geburtsort des früheren Diktators Muammar al-Gaddafi. Weitere Einheiten könnten nach Libyen verlegt werden, sollten die Extremisten in ihrer syrischen Hochburg Rakka weiter in Bedrängnis geraten.

Im Februar hatte der IS bereits weite Teile von Sirte erobert. Zur gleichen Zeit veröffentlichten die Dschihadisten ein Internetvideo mit einer "in Blut geschriebenen Nachricht an die Nation des Kreuzes". Darin war die Enthauptung von 21 christlichen Kopten aus Ägypten zu sehen. Laut Berichten der New York Times haben ausländische IS-Kämpfer mittlerweile das Kommando in Sirte übernommen. Zahlreiche Dschihadisten seien aus der ganzen Region in die Stadt gekommen.

Der Libyen-Experte des Atlantic Council in Washington, Mohammed Eldscharh, sagte, es sei "sehr viel Bewegung" außerhalb der wichtigen Ölterminals und am Hafen von Sirte zu beobachten. Der Verkauf von Erdöl ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des IS im Irak und in Syrien.

Im Irak geraten die Dschihadisten derweil immer stärker unter Druck. Nach eigenen Angaben hat die irakische Armee die Bewohner der vom IS kontrollierten Stadt Ramadi dazu aufgefordert, diese sofort zu verlassen. Der Aufruf der  Streitkräfte deutet auf eine bevorstehende Offensive hin. Ramadi liegt an einer strategisch wichtigen Route, die Bagdad mit Syrien und Jordanien verbindet. Die irakische Regierung hatte Ramadi im Mai an die Extremisten verloren.

Der Kampf um Macht und Geld

Die Lage in Libyen bereitet auch den Anrainerstaaten zunehmend Sorge. Vor allem die Waffen aus dem einstigen Arsenal Gaddafis stellen eine Bedrohung für die Region dar. Seit dem Sturz und der Ermordung des Diktators im Jahr 2011 herrscht in Libyen politisches Chaos. Im westlichen Tripolis und in Tobruk bildeten sich rivalisierende Regierungen. Außerdem kämpfen zahlreiche Milizen im Land um Macht und Geld.

Die internationale Gemeinschaft fordert daher die Bildung einer nationalen Einheitsregierung. Bei einer Konferenz in Algier, an der neben den Anrainerstaaten auch Vertreter der Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union teilnehmen, soll über das weitere Vorgehen beraten werden.

Eine politische Einigung ist nach Einschätzung von Beobachtern der einzige Weg, den IS in Libyen effektiv zu bekämpfen. Als Beispiel hierfür gilt die libysche Hafenstadt Darna, wo islamistische Brigaden gemeinsam mit Bürgern die Terrormiliz vertreiben konnten.