Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält eine Allianz mit den syrischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) für denkbar. "Es wird keine Zukunft mit Assad geben, das ist klar", sagte die CDU-Politikerin mit Blick auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad in der ZDF-Sendung Berlin direkt. "Aber es gibt Teile der Truppen in Syrien, die man sehr wohl – wie in dem Beispiel Irak, wo ja erfolgreich die Ausbildung der lokalen Truppen stattgefunden hat – hier auch nehmen kann."

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hatte am Freitag erstmals eine Kooperation mit den syrischen Regierungstruppen gegen die IS-Miliz ins Gespräch gebracht. Eine Beteiligung syrischer Streitkräfte am Anti-IS-Kampf sei "im Rahmen eines politischen Übergangs" denkbar, sagte Fabius. Die Bundesregierung hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie unter anderem Tornado-Aufklärungsflugzeuge und eine Fregatte für den internationalen Kampf gegen die IS-Miliz zur Verfügung stellen wird.

Von der Leyens Vorschlag wird indes in der eigenen Partei kritisch gesehen: So lehnt etwa der Außenpolitiker Norbert Röttgen eine Zusammenarbeit mit den Truppen Assads ab. Eine solche Kooperation würde dem Einsatz des Westens die Legitimität nehmen und nicht zur Befriedung in der Region beitragen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag im Deutschlandfunk. Assad habe Hunderttausende Tote auf dem Gewissen, für ihn gebe es keine Zukunft in Syrien.

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe auf eine Übergangsphase verwiesen, als sie von der Möglichkeit des Nutzens syrischer Truppen gesprochen habe. Die Bekämpfung der IS-Miliz müsse Priorität haben, sagte Röttgen. Dies wäre ein Strategiewechsel. Dafür brauche man auch die Beteiligung Russlands. Zugleich müsse man aber weiter an einer politischen Lösung für einen Übergang in Syrien und einen Machtwechsel arbeiten. Für einen möglichen Einsatz von Bodentruppen brachte er türkische und arabische Soldaten ins Spiel. Davon sei man aber noch weit entfernt.

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zeigte sich im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse skeptisch: "Ich kann mir keine Zustimmung zu einem Militäreinsatz vorstellen, der bedeutet, dass wir Seite an Seite mit Assad kämpfen." Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte dagegen dem Handelsblatt: "Die einzig infrage kommenden Bodentruppen sind Assads Regierungstruppen." Deshalb müsse man "bis auf Weiteres die Kröte Assad schlucken". 

Ein klares Nein zum Syrien-Einsatz der Bundeswehr kam von dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele. "Ich werde diesem Kriegseinsatz nicht zustimmen, weil er brandgefährlich und falsch ist", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. "Ich habe das schon einmal erlebt, vor fast 14 Jahren. Auch der damalige Afghanistan-Einsatz wurde damit begründet, dass wir uneingeschränkte Solidarität mit den USA üben müssen. Das allein reicht als Kriegsgrund nicht aus."