Ein Motorrad, das bei einer der Explosionen im Süden Beiruts zerstört wurde. © Hasan Shaaban/Reuters

Im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut wurden bei einem Doppelanschlag mindestens 41 Menschen getötet, mehr als 180 wurden verletzt. Vor einem Einkaufszentrum kam es im Abstand von fünf Minuten und 150 Metern zu zwei Explosionen, teilte ein Regierungssprecher mit. Der Anschlag ereignete sich im Viertel Burdsch al-Baradschne, das als Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz gilt.

Nach Angaben der libanesischen Regierung waren insgesamt vier Selbstmordattentäter in der Gegend unterwegs, einer sei jedoch geflüchtet. Ein weiterer sei tot gefunden worden, hieß es. Er habe noch einen funktionstüchtigen Sprengstoffgürtel getragen. Wahrscheinlich sei er dem zweiten Attentäter zu nahe gekommen, als dieser seine Bombe zündete.

Zu der Tat haben sich Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt, berichten mehrere Medien. Auf Twitter kursiert eine Nachricht, in der Details der Taten geschildert werden. So heißt es, zunächst sei in unmittelbarer Nähe einer schiitischen Menschenmenge eine Bombe auf einem Motorrad zur Detonation gebracht worden. Wenig später habe ein IS-Terrorist am Ort des ersten Anschlags einen Sprengstoffgürtel gezündet. Allerdings waren diese Informationen bereits zuvor von arabischen Medien veröffentlicht worden.

Ziel der Anschläge waren demnach ein Gemeindezentrum und eine Bäckerei. In der Nähe steht auch ein schwer bewachtes Krankenhaus, das von der Hisbollah betrieben wird. In dem Viertel hatte es bereits mehrmals Anschläge gegeben. Ministerpräsident Tammam Salam erklärte den Freitag zum Trauertag, an dem der Opfer gedacht werden solle. Führende Politiker riefen die Libanesen zur Einheit auf.

IS will Kalifat auf Libanon ausweiten

Es ist der erste Anschlag in Beirut seit Juni 2014. Damals explodierte eine Autobombe, zwölf Menschen wurde dabei verletzt. In den  Monaten davor hatte es immer wieder Kämpfe und Attentate gegeben, allein zwischen Juli 2013 und Februar 2014 wurden in den Hisbollah-Hochburgen neun Anschläge verübt. In den meisten Fällen bekannten sich sunnitische Extremisten zu den Taten. Zudem gibt es seit Ausbruch des Krieges im Nachbarland Syrien immer wieder Kämpfe zwischen libanesischen Soldaten und IS-Kämpfern.

Schon länger gilt die Lage im Libanon als explosiv. Zum einen unterstützt die schiitische Hisbollah Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit eigenen Truppen, zum anderen versucht der sunnitische IS, feste Strukturen im Libanon auszubauen. Im Februar hatte eine libanesische Zeitung aus Geheimdienstkreisen erfahren, dass der IS eine Ausweitung des Kalifats in Syrien auf libanesisches Staatsgebiet plane. Über die Bergregion nördlich von Damaskus sollte das Emirat Libanon mit dem Rest des Kalifats verbunden werden, hieß es damals. Die libanesische Armee hatte schon im vergangenen Jahr wiederholt IS-Kampfverbände aus dem Gebiet zurückschlagen müssen.