Aung San Suu Kyi will die Geschicke Myanmars auch nach der Wahl weiter mitbestimmen. © Jorge Silva/Reuters

Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist es per Verfassung untersagt, Präsidentin von Myanmar zu werden. Dennoch will sie die Politik des Landes weiter mitbestimmen. Sollte es ihrer Oppositionspartei gelingen, die Wahl am Sonntag für sich zu entscheiden, so wolle sie künftig "über dem Präsidenten" stehen. Mit einem solchen Schritt würde sie die Verfassungsklausel umgehen, die ihr das Präsidentenamt verwehrt

"Das ist eine sehr einfache Botschaft", sagte Aung San Suu Kyi auf einer Pressekonferenz vor ihrem Haus in Rangun. Sie habe einen Plan, den sie jedoch nicht offenlegen wolle, der ihr aber erlauben würde, das Land hinter den Kulissen zu führen. Auf die Frage eines Reporters, ob ihr Plan gegen die Verfassung verstoße, antwortete sie: "Die Verfassung sagt nichts darüber, 'über dem Präsidenten' zu sein."

Die Parlamentswahl am Sonntag wird als die möglicherweise freieste und gerechteste Wahl in Myanmar seit mehr als zwei Jahrzehnten angesehen. Aung San Suu Kyis oppositionelle Nationalliga für Demokratie (NLD) wird erstmals seit 1990 daran teilnehmen. Damals hatte ihre Partei überdeutlich gewonnen. Das Ergebnis wurde allerdings von der Militärjunta annulliert.

Es wird erwartet, dass Aung San Suu Kyi die NLD am Sonntag zum Sieg führt. Wer dann das Präsidentenamt übernimmt, ist noch unklar.

Die 70-Jährige zeigte sich besorgt über Unregelmäßigkeiten vor der Wahl. "Wir haben Beschwerden über die Art und Weise gehabt, wie einige Parteien und Personen Regeln und Regularien (der Wahlkommission) gebrochen haben, es wurde aber wenig vonseiten der Kommission getan", sagte sie. Dazu zähle etwa, dass die vorzeitige Stimmabgabe bereits in einigen Teilen des Landes begonnen habe, was gegen die Richtlinien der Wahlkommission sei.

Verfassung verbietet Aung San Suu Kyi das Präsidentenamt

Eine Klausel in der Verfassung, die wohl eigens mit Blick auf sie geschaffen wurde, verwehrt jedem das Amt, dessen Ehegatte oder Kinder Ausländer sind. Aung San Suu Kyis verstorbener Mann war Brite, auch ihre beiden Söhne sind Briten.

Aung San Suu Kyi ist die Tochter des Unabhängigkeitshelden General Aung San, der 1947 durch einen Anschlag politischer Gegner getötet wurde. Damals war Suu Kyi zwei Jahre alt. Nach vielen Jahren im Ausland kehrte sie 1988 ins damalige Birma zurück und wurde Zeugin der gewaltsamen Aufstände gegen die Militärregierung. Sie gelangte an die Spitze der Demokratiebewegung, die von der Junta niedergeschlagen wurde. 15 der folgenden 23 Jahre stand Suu Kyi unter Hausarrest. Vor fünf Jahren kam sie frei – nur wenige Tage nach einer Wahl, die ihre Partei boykottiert hatte.

Das überwiegend buddhistische Myanmar mit etwa 50 Millionen Einwohnern hatte 2011 damit begonnen, sich von einer Militärdiktatur in Richtung Demokratie zu bewegen. Das frühere Birma bekam eine zumindest dem Namen nach zivile Regierung, die rasch politische und wirtschaftliche Reformen durchführte und damit international großes Lob erntete. Dieser Reformkurs ist inzwischen ins Stocken geraten, und es wurde sogar damit begonnen, manche der Änderungen wieder rückgängig zu machen. Auch der Umgang mit muslimischen Minderheiten wie den Rohingya wird international kritisiert.