Platz nach einem Selbstmordattentat von Boko Haram (Archivbild) © EPA/dpa

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Prozession von Schiiten sind im Norden Nigerias mehr als 20 Menschen getötet worden. Der Attentäter habe am Freitag 21 Menschen getötet und weitere verletzt, sagte Muhammad Turi, der die Prozession anführte. Die Tat ereignete sich in dem Dorf Dakasoye, rund 20 Kilometer südlich von Kano.

Die schwarz gekleideten Schiiten setzten ihren Marsch trotz der Gewalttat fort. Die Gläubigen waren auf dem Weg von Kano im Norden des Landes zur alten islamischen Stadt Zaria.

Ein Mitorganisator der Prozession, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, der Attentäter sei in die Menge gerannt und habe seinen Sprengsatz gezündet. Ein Komplize des Attentäters sei gefasst worden und habe gestanden, dass sie von der Islamistengruppe Boko Haram geschickt worden seien.

Der Attentäter und sein Komplize gehörten demnach zu einer Gruppe junger Männer, die Boko Haram vergangenes Jahr aus der Stadt Mubi in den Sambisa-Wald verschleppt hatte. Dort erhielten sie von den Islamisten eine militärische Ausbildung. "Sie wurden vor elf Tagen nach Kano geschickt und dort speziell für diesen Angriff in einem Haus festgehalten", sagte der Prozessionsorganisator.

Boko Haram wurde bereits wiederholt für Angriffe auf Schiiten verantwortlich gemacht. Die Islamisten verurteilen die Anhänger der muslimischen Konfession als Häretiker. Die Terrorgruppe kämpft seit 2009 für einen islamistischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Dabei wurden mindestens 17.000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben. In letzter Zeit setzte Boko Haram, was sich sinngemäß mit "westliche Bildung ist Sünde" übersetzen lässt, zunehmend Selbstmordattentäter ein.

Dieses Jahr dehnte die Gruppe ihre Attacken auch auf Kamerun, Tschad und Niger aus – all diese Länder helfen dem nigerianischen Militär, Boko Haram zu zerschlagen.

Nigerias seit Mai amtierender Staatschef Muhammadu Buhari hat es sich zum Ziel gesetzt, den Aufstand der Islamistengruppe bis Jahresende niederzuschlagen. Sicherheitsexperten halten dies angesichts der anhaltenden Angriffe von Boko Haram allerdings für unrealistisch.