Muslimische Mädchen in Turin zeigen ihre Solidarität mit den Opfern in Paris. © Marco Bertorello/AFP/Getty Images

Die Botschaft aus der arabischen Welt nach den Attentaten in Paris ist deutlich. Tief getroffen und mit klaren Worten haben Muslime weltweit auf die Anschläge in Paris reagiert. Die Staatsführer von Marokko bis Bahrain übermittelten Beileidsbekundungen nach Frankreich.

"Wir verurteilen diesen abscheulichen Terrorakt aufs Schärfste", sagte der saudische König Salman, der gerade in der Türkei auf dem G-20-Gipfel zu Gast ist. Jordaniens König Abdullah drückte sein "tiefes Bedauern" und seine Solidarität mit Frankreich aus. 

"Diese Akte, die die Stabilität und Sicherheit Frankreichs zerstören wollen, gehen gegen alle menschlichen und moralischen Werte", sagte Katars Außenminister Khalid al-Attiyah. Kuweits Emir Sabah al-Sabah betonte, diese kriminellen Akte würden sich gegen "alle Lehren des heiligen Glaubens" wenden.

Gegen alle menschlichen und moralischen Werte
Khalid al-Attiyah, Außenminister von Katar

Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Sheikh Khalifa bin Zayed al-Nahyan, verurteilte die Anschläge als "abscheuliches Verbrechen". Sein Land werde alles tun, um den "Terrorismus in all seinen Formen" zu bekämpfen. Und der iranische Außenamtssprecher Hussein Dschaberi sagte in Teheran: "Diese Terroristen sind keine Muslime und haben nichts gemeinsam mit den Kriterien und Werten des Islam."

Viele hohe islamische Gelehrte verwiesen mit Nachdruck darauf, dass die Motive für Terror und Gewalt nicht im Islam zu suchen seien. "Der Islam billigt keine Terroristen. Diese Akte sind das Gegenteil der Barmherzigkeit, die die Religion in die Welt gebracht hat", heißt es etwa in einer offiziellen Erklärung vom Rat der Höchsten Religionsgelehrten, der wichtigsten religiösen Körperschaft in Saudi-Arabien. Die Auslöschung des Terrorismus sollte aus einer "vereinten moralischen Haltung" heraus erfolgen, heißt es weiter.

Ähnlich kämpferisch klingt es aus Ägypten. So zitierte das ägyptische Staatsfernsehen den Großscheich Ahmad al-Tayyeb, Rektor der Kairoer Al-Azhar-Universität, der höchsten religiösen Instanz im sunnitischen Islam, mit den Worten: "Die Zeit ist gekommen, dass sich die Welt vereint, um dieses Monster des Terrorismus zu bekämpfen."

Auch unter Europas Muslimen herrscht tiefe Bestürzung. Der Rat der Muslime in Frankreich, CFCM, lehnte die "niederträchtigen und schändlichen Angriffe mit größtem Nachdruck" ab. Der Vorsitzende des Münchner Forums für Islam, MFI, Benjamin Idriz, verweist darauf, dass die Muslime nun in besonderer Weise herausgefordert seien. "Wenn Menschen bei solchem Tun sich tatsächlich auf Gott berufen, dann rufen wir Muslime ihnen laut und deutlich entgegen: Nie kann Gott, der Allerbarmer und Allbarmherzige, sein Prophet oder unser Glaube, der Islam, für eure Verbrechen eingespannt werden!" Der Islam, schreibt der Imam weiter, lehne jede Art von Terror ab. Er appelliert an theologische Autoritäten und Gläubige gleichermaßen, sich diesem Missbrauch noch stärker entgegenzustellen.

Angst vor wachsender Islamfeindlichkeit

Das betont auch der deutsch-syrische Politologe und Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek in seiner offiziellen Erklärung. So könne man das Ziel der Terroristen, Panik, Hass und Zwietracht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Religionen zu säen, nur dann verhindern, wenn alle gemeinsam handelten: "Wir appellieren insbesondere an Medien und Politik, den Terroristen nun nicht auf dem Leim zu gehen, indem ihre pseudo-religiösen Begründbarkeiten einfach unkritisch übernommen werden und damit der Vereinnahmung des Islam weiter Vorschub geleistet wird."

Sorge vor einer wachsenden Islamfeindlichkeit äußerte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu. Er fürchte, dass rechtspopulistische Gruppen wie Pegida oder die AfD die Anschläge für sich ausnutzen werden. "Sie werden sich in ihrer Anschauung und in ihren Argumenten bestärkt fühlen und damit auch noch lauter in der Öffentlichkeit auftreten", sagte er der Stuttgarter Zeitung. Er forderte die deutschen Muslime und muslimischen Verbände auf, sich ausdrücklich gegen die Gewalt zu stellen: "Wir Muslime müssen den Terror jetzt entschieden und für jeden laut hörbar verurteilen."

Terror in Paris - Syrische Flüchtlinge gedenken der Opfer Die Anschläge von Paris sorgen auch unter den Flüchtlingen für Entsetzen, die aus dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland geflohen sind. In Berlin legten einige von ihnen Blumen und Kerzen für die Opfer von Paris nieder.

Das allerdings geschieht bereits. Muslime in der ganzen Welt distanzieren sich nicht nur von den Anschlägen in Paris, sondern von sämtlichen Gewalttaten, die der "Islamische Staat" (IS) im Namen ihrer Religion verübt. Damit wollen sie sich auch zur Wehr setzen gegen eine pauschale Verurteilung, die ihnen als Muslime eine Mitverantwortung für Gewaltakte zuschreibt. Als mediales Sprachrohr nutzen sie dabei eine Kampagne, die junge britische Muslime schon im Herbst 2014 starteten: Not in my name. Zu der Zeit hatte der IS schon weite Teile des Iraks und Syrien in seine Gewalt gebracht. Im Internet kursierte das Video der Enthauptung des britischen Entwicklungshelfers David Haines. Haines war nach James Foley und Steven Sotloff das dritte Entführungsopfer, von dessen Enthauptung der IS ein Video veröffentlichte.