Die schwedische Regierung kann Flüchtlingen keine Unterkunft mehr garantieren. Migrationsminister Morgan Johansson sagte bei einer Pressekonferenz, Neuankömmlinge hätten die Wahl, entweder nach Dänemark oder Deutschland zurückzukehren oder sich selbst eine Unterkunft zu suchen. "Wir haben die Grenze des Machbaren erreicht", sagte er. Im schwedischen Staatsfernsehen SVT riet der Minister Flüchtlingen, in Deutschland zu bleiben.

Am Mittwoch hatte der schwedische Premierminister Stefan Löfven die Europäische Kommission schriftlich um Hilfe in der Flüchtlingskrise gebeten. "Schweden hat schon lange eine unverhältnismäßig große Verantwortung im Vergleich zu anderen EU-Ländern," heißt es in dem Schreiben. Es sei an der Zeit, dass andere Länder Verantwortung übernehmen und eine Umverteilung der Flüchtlinge auch aus Schweden stattfindet.

Täglich kommen 1.500 neue Asylbewerber in Schweden an. Darunter seien viele, die zuvor in Deutschland in Zelten untergebracht waren und sich angesichts der verschärften Aufnahmebedingungen entschieden hätten, nach Schweden weiterzureisen, sagte Johansson. Rund um Rostock sollen sich nach Angaben der schwedischen Einwanderungsbehörde 5.000 Menschen aufhalten, die nach Schweden wollten. Die Behörde hatte früher am Tag an die Kommunen appelliert, mehr Plätze, zum Beispiel in Sporthallen, zur Verfügung zu stellen.

EU rechnet mit drei Millionen Flüchtlingen bis 2017

Auch in Deutschland werden Flüchtlinge zunehmend in Sporthallen untergebracht. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schätzt, dass in Deutschland zurzeit etwa 1.000 Sporthallen mit Flüchtlingen belegt sind. "Wir gehen davon aus, dass es bis Ende des Jahres etwa 1500 Hallen sein werden", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Deutschlandfunk. Während in Nordrhein-Westfalen momentan etwa 400 der insgesamt 7.000 Hallen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden, seien es in Bremen ein Drittel der vorhandenen Sporthallen, berichtete Hörmann.

Die EU-Kommission erwartet bis 2017 die Ankunft von drei Millionen weiterer Flüchtlinge in Europa. Das erklärte die Brüsseler Behörde am Donnerstag in ihrem Wirtschaftsausblick für die Jahre 2015 bis 2017. Nach Angaben von Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici wird der Flüchtlingsandrang eine "schwache, aber positive" Wirkung auf das Wirtschaftswachstum in der EU haben. Die UNO geht davon aus, dass auch in den Wintermonaten täglich rund 5.000 Flüchtlinge über die Türkei nach Europa kommen werden.

In der Herbstprognose, die sich erstmals mit den Auswirkungen der Flüchtlingskrise befasst, wird mit der Ankunft von einer Million Flüchtlinge im laufenden Jahr gerechnet. 2016 wird ein Anstieg auf 1,5 Millionen Flüchtlinge erwartet, 2017 soll die Zahl auf eine halbe Million zurückgehen.

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