Türkisches Militär hat im syrisch-türkischen Grenzgebiet ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Die türkische Nachrichtenagentur DHA meldete unter Berufung auf Armeekreise, türkische Kampfflugzeuge hätten den Jet abgeschossen, nachdem er binnen fünf Minuten den Luftraum zehn Mal verletzt hatte. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte laut Interfax den Abschuss eines Kampfflugzeugs SU24.

Ein Kreml-Sprecher relativierte später, sicher sei nur, dass das Flugzeug über Syrien unterwegs war. Die Militärführung betonte, sie könne belegen, dass das Flugzeug die ganze Zeit über Syrien geflogen sei, den türkischen Luftraum also nicht verletzt habe. Es sei in einer Höhe von 6.000 Metern unterwegs gewesen.

Das türkische Militär habe die Besatzung der Maschine mehrmals gewarnt, bevor es den Jet von F16-Kampfflugzeugen aus abschoss, zitierte CNN Türk die Militärführung. Interfax meldete dagegen, das Flugzeug sei vom Boden aus abgeschossen worden.

Der Kreml kündigte eine Stellungnahme von Präsident Wladimir Putin an. Der Sprecher wurde zitiert, der Abschuss sei "ein ernster Vorgang", es sei aber zu früh für weitere Schlussfolgerungen. Aus dem Büro von Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hieß es, die Türkei werde wegen des Vorfalls die Nato und die UN einschalten. Um 17 Uhr wird es ein Nato-Sondertreffen in Brüssel geben.

Ein Nato-Sprecher erklärte, bei dem Treffen handele es sich nicht um Konsultationen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrages. Nach diesem konsultieren sich die Bündnismitglieder, "wenn nach Auffassung eines von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist". Anders als beim Bündnisfall nach Artikel fünf sind unmittelbare Folgen nur Beratungen, eine konkrete Reaktion der Nato ist aber möglich.

Medien zufolge ereignete sich der Vorfall zwischen der südtürkischen Provinz Hatay und einer von turksprachigen syrischen Turkmenen bewohnten Gegend im äußersten Nordwesten Syriens. Habertürk TV zeigt, wie die Maschine brennend abstürzt und explodiert. Das Schicksal der zwei Piloten ist ungewiss: Nach ersten Informationen des Senders konnten sie sich aus dem Flugzeug retten. Bildern zeigen, wie sie an Fallschirmen zur Erde schwebten. Russische Medien melden jedoch unter Berufung auf lokale Quellen, dass mindestens einer der Piloten von syrischen Rebellen festgenommen wurde. Rebellen behaupteten zudem, einer der Piloten sei tot. Offiziell bestätigt ist das nicht.  

Es ist das erste Mal seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien Ende September, dass ein russisches Armeeflugzeug abgeschossen wurde. Der Vorfall dürfte die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Russland im Syrien-Konflikt weiter verschlechtern. Während die Türkei Syriens Präsidenten Baschar al-Assad stürzen will, wird dieser von Russland unterstützt. Russland und Syrien bombardieren derzeit Ziele im Norden Syriens, angeblich, um den "Islamischen Staat" zu schwächen. Die Türkei wirft Russland vor, mit den Angriffen auch Assad stärken zu wollen. Überdies seien Tausende syrische Turkmenen durch die Angriffe vertrieben worden.

Im November hatten türkische Jets eine nicht identifizierte Drohne abgeschossen, die ebenfalls den türkischen Luftraum verletzt hatte.