Internationale Wahlbeobachter üben scharfe Kritik am Wahlkampf und an der Zehn-Prozent-Hürde in der Türkei. Die Wahlen seien durch die sich verändernde Sicherheitslage sowie Fälle von Gewalt und Einschränkungen der Medienfreiheit stark behindert worden, erklärten die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und die Parlamentarische Versammlung des Europarates (PACE) in Straßburg. 

Der Terroranschlag in Ankara am 10. Oktober habe die Atmosphäre stark beeinflusst. So hätten Attacken zugenommen, besonders gegen Mitglieder der Demokratischen Volkspartei HDP.

Andreas Gross, Leiter der PACE-Delegation, sagte: "Unglücklicherweise waren die Kampagnen für diese Wahlen durch unfaire und schwere Angstmache charakterisiert." Vor allem im Südosten der Türkei kam es nach Angaben der Wahlbeobachter zu einer hohen Zahl gewalttätiger Zwischenfälle, einschließlich Anschlägen gegen Parteimitglieder und ihre Wahlkampfhelfer.

Medienhäuser und Journalisten seien durchsucht worden; ihnen sei zudem Terrorismus oder Verleumdung des Präsidenten vorgeworfen worden. Die gewaltsame Beschlagnahme von Medien und TV-Stationen hätte zu einem eingeschränkten Zugang der Bürger zu einer Vielzahl von Meinungen und Informationen geführt, kritisieren die Wahlbeobachter. Vor diesem Hintergrund sei es umso wichtiger, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nun eine Politik anstrebe, die sicherstellt, dass alle Anliegen der türkischen Bevölkerung gehört werden, hieß es.

OSZE und Europarat machten auch positive Anmerkungen. Die Wahlen seien gut organisiert gewesen. Den Wählern habe eine Vielzahl von Parteien zur Auswahl gestanden. Kritisch sei aber, dass die Zehn-Prozent-Hürde für Parteien den politischen Pluralismus stark einschränke.

Die AKP hatte in der Parlamentswahl am Sonntag die absolute Mehrheit der Mandate erzielt und kann nun wieder allein regieren. Das Ergebnis gilt als Erfolg für Präsident Erdoğan, der seine Befugnisse per Verfassungsreform ausweiten will. Er hatte die Neuwahl angesetzt, weil nach der Wahl im Juni keine Koalition zustande gekommen war.