Ein deutscher und ein afghanischer Soldat sichern das Camp Shaheen, ein Feldlager der afghanischen Armee nahe Masar-i-Scharif © Kay Nietfeld/dpa

Knapp 14 Jahre dauert der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, nun hat der Bundestag eine weitere Verlängerung des Mandats beschlossen, bis Ende 2016 sollen deutsche Soldaten in Afghanistan bleiben. Vorerst.

Begründet wird das mit der Gefahr, dass die Taliban an die Macht zurückkehren könnten. Die Gefahr scheint durchaus real zu sein.

Die Nato hatte zeitweise 150.000 Soldaten in Afghanistan zur Bekämpfung der Taliban stationiert. Viele Milliarden sind geflossen, um eine schlagkräftige afghanische Armee aufzubauen. Und heute sind die Taliban so stark wie zuvor. Was also ist schief gelaufen?

Die Taliban sind stark, weil der afghanische Regierungsapparat durch und durch korrupt ist. Der Westen trägt dafür eine große Mitschuld. Er überhäufte das Land mit Geld. Wer in Afghanistan an der Macht war, der konnte sich in den letzten Jahren die Taschen kräftig füllen. Die Afghanistanmission war freilich auch für viele westliche Firmen ein sehr profitables Geschäft, angefangen bei den privaten Sicherheitsfirmen. Korruption ist keine afghanische Spezialität. Das alles ist kein Geheimnis.

Die Bundesregierung mahnte jetzt bei der Verlängerung des Mandats die afghanische Regierung zu Reformen und zur Bekämpfung der Korruption. Das ist ein Mantra, das sie seit vierzehn Jahren wiederholt. Was hat es gebracht? Die Korruption ist noch größer geworden.

Hat die Bundesregierung neue Ideen wie man die Korruption bekämpfen könnte? In der Debatte über die Verlängerung des Bundestagsmandats hat man davon nichts gehört.

Seit dem Sommer 2015, seit dem Beginn der Massenwanderung nach Europa gibt es ein neues Argument zur Begründung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr: Fluchtursachenbekämpfung! Wenn wir nicht bleiben, dann werden noch mehr Flüchtlinge aus Afghanistan zu uns kommen!

Bis zum Sommer 2015 war die Hauptfigur in dieser Argumentation anders besetzt: Wenn wir nicht bleiben, dann kommt die Terroristen zu uns nach Europa. Heute haben wir beides in Europa: Flucht und Terror.

Obwohl das offensichtlich ist, wird man weiter machen wie bisher. Soldaten schicken, Geld schicken – und hoffen, dass das Haus Afghanistan nicht zusammenkracht. Strategie ist das keine, das ist die Verwaltung des Desasters.

Es wird so getan, als ob eine längere und stärkere Präsenz der Bundeswehr (das Bundeswehrkontingent soll von 850 auf 980 aufgestockt werden) die Taliban mit Sicherheit schwächen würde. Aber was, wenn es umgekehrt ist?

Was, wenn die Taliban Kundus und Kabul und Kandahar einnehmen, während die Nato-Soldaten noch im Land sind?

Dann wird es nur zwei Möglichkeiten geben: Unter blamablen und gefährlichen Umständen abziehen oder noch mehr Soldaten schicken.

Der Westen hat sich in Afghanistan in eine aussichtslose Lage manövriert. Er kann weder bleiben, noch kann er gehen.

Aus dieser Lage muss sich der Westen, muss sich Deutschland befreien – und das geht nur, wenn er den Einsatz beendet. Das ist nicht ohne Risiko.

Aber es ist unter den schlechten Optionen die beste.