Ex-Präsident Blaise Compaoré bei einem Treffen mit Angehörigen der Air-Algeria-Tragödie im Präsidentenpalast in Ouagadougou im Juli 2016. © Sia Kambou / Getty Images

In Burkina Faso hat ein Militärgericht einen internationalen Haftbefehl gegen den früheren Präsidenten Blaise Compaoré erlassen. Das bestätigte der Direktor des Militärtribunals. Compaoré werde wegen des Todes seines Amtsvorgängers Thomas Sankara und zwölf seiner Gefolgsleute bei dem von ihm geführten Putsch 1987 gesucht. 

Compaoré war im vergangenen Jahr nach 27 Jahren an der Macht zurückgetreten. Der Grund waren Massenproteste vor allem der jungen Bevölkerung. Zuvor hatte er versucht, sich durch eine Verfassungsänderung eine weitere Amtszeit an der Spitze des Staates zu ermöglichen. Seit seinem Sturz lebt er in der Elfenbeinküste im Exil. Er beteuert, nicht an dem Mord an seinem Amtsvorgänger Sankara beteiligt gewesen zu sein.

Nach dem Volksaufstand wurden Ermittlungen über den Tod Sankaras möglich, die während der Präsidentschaft von Compaoré ein Tabuthema blieben. Es wurden die Untersuchung der Todesumstände und die Exhumierung der Leiche angeordnet. Mitte Oktober ergab das Ergebnis der Autopsie, dass die Leiche Sankaras "von Kugeln durchsiebt" war. Mehrere Mitglieder der inzwischen aufgelösten Präsidentengarde wurden in dem Fall verhaftet. Unter ihnen ist deren früherer Befehlshaber Gilbert Diendéré, der im September einen Putsch gegen die Übergangsregierung angeführt hatte. 

Der ermordete Sankara war seinerseits 1983 bei einem Putsch an die Macht gekommen. Er wird weit über Burkina Faso hinaus als eine Art afrikanischer Che Guevara verehrt.

Nach Compaorés Flucht hatte vergangenes Jahr zunächst Ministerpräsident Zida, der frühere Vizechef der Präsidentengarde, die Macht an sich gerissen. Die Afrikanische Union drohte jedoch mit Sanktionen und erwirkte einen Übergang zu einer zivil geführten Regierung. Burkina Faso gehört einem UN-Entwicklungsindex zufolge zu den zehn ärmsten Ländern weltweit.